Aufgabe · Abitur NRW Deutsch GK · Mörike/Krolow 2025

Thema: Interpretation lyrischer Texte · Aus der Prüfung GK · Mörike/Krolow (2025)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung

1.

Interpretieren Sie Eduard Mörikes Gedicht „Früh im Wagen“. ca. 60 %

2.

Vergleichen Sie Mörikes Gedicht mit Karl Krolows „Gedicht für J. S.“ im Hinblick auf die Gestaltung der Abschiedssituation. Gehen Sie dabei auf inhaltliche sowie sprachliche und formale Aspekte ein. ca. 40 %

Material

Eduard Mörike (1804–1875): Früh im Wagen (1846)

Es graut vom Morgenreif 1

In Dämmerung das Feld,

Da schon ein blasser Streif

Den fernen Ost 2 erhellt;

5 Man sieht im Lichte bald

Den Morgenstern vergehn,

Und doch am Fichtenwald

Den vollen Mond noch stehn:

So ist mein scheuer Blick,

10 Den schon die Ferne drängt,

Noch in das Schmerzensglück

Der Abschiedsnacht versenkt.

Dein blaues Auge 3 steht

Ein dunkler See vor mir,

15 Dein Kuß, dein Hauch umweht,

Dein Flüstern mich noch hier.

An deinem Hals begräbt

Sich weinend mein Gesicht,

Und Purpurschwärze webt

20 Mir vor dem Auge dicht.

Die Sonne kommt; – sie scheucht

Den Traum hinweg im Nu,

Und von den Bergen streicht

Ein Schauer auf mich zu.

Mörike, Eduard: Gedichte in einem Band. Hg. von Bernhard Zeller. Frankfurt a. M. und Leipzig: Insel Verlag ³2015, S. 122 f.

Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.

1 Morgenreif: Schicht von feinen Eiskristallen auf Zweigen und in Bodennähe infolge Niederschlags oder hoher Luftfeuchtigkeit bei nächtlichen Temperaturen unter null Grad Celsius.

2 Ost: hier: Kurzform für Osten.

3 blaues Auge: gemeint ist hier die Augenfarbe.

Karl Krolow (1915–1999): Gedicht für J. S. (1965)

Auf dem Dezember-Bahnsteig in der ersten Stunde nach Mitternacht

Dein Bild in die Kälte geschnitten,

Mit hellem Mantel, den Schal übers Haar getan,

Und einem im Abschied leuchtenden Gesicht!

5 Ich erfinde dich noch einmal im Augenblick der Trennung,

Dunkel vor Zärtlichkeit und dem Verlangen nach Glück,

Mit einer von Zuneigung leisen Stimme

In der winterlichen Frostluft.

Ich erfinde dich noch einmal: geschaffen nun,

10 Um mit mir zu gehen, einem anderen:

Mann im hochgeschlagenen Mantelkragen,

Der das Fenster im Fernzug-Abteil herunterläßt und winkt.

Du bleibst zurück, auf Fluten grauen Windes treibend,

Zurück mit Umarmung und Kuß und dem Geruch deiner Haut.

15 Das schwarze und weiße Schachbrett der Schneenacht

Liegt über deinem Gesicht; und ich weiß,

Daß nichts an dir für mich bestimmt ist.

Krolow, Karl: Gesammelte Gedichte, Band 1. © 1965, Suhrkamp Verlag GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.

Aufgabenstellung: Aufgabe · Abitur NRW Deutsch GK · Mörike/Krolow 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Interpretieren Sie Eduard Mörikes Gedicht „Früh im Wagen“.

Lösung: Individuelle textanalytische und interpretatorische Ausarbeitung gemäß Erwartungshorizont.

2. Vergleichen Sie Mörikes Gedicht mit Karl Krolows „Gedicht für J. S.“ im Hinblick auf die Gestaltung der Abschiedssituation. Gehen Sie dabei auf inhaltliche sowie sprachliche und formale Aspekte ein.

Lösung: Individueller motivischer, inhaltlicher und formaler Gedichtvergleich gemäß Erwartungshorizont.

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