Aufgabe 2 - Säure-Base-Titration und Analytik · Abitur NRW Chemie LK · Nachtermin 2022

Thema: Säure-Base-Titration und Analytik · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2022)

Aufgabenstellung

Fachspezifische Vorgaben:

Bernsteinsäure (C4H6O4\text{C}_4\text{H}_6\text{O}_4) ist in der EU unter der E-Nummer 363 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und wird als Säuerungsmittel, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel eingesetzt.

In Kapseln, Ampullen, Tabletten oder Pulverform stellt Bernsteinsäure ein Nahrungsergänzungsmittel dar. Die Säure hat antioxidative Eigenschaften, soll einen positiven Einfluss auf den menschlichen Stoffwechsel haben und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Laut Herstellerangabe auf der Verpackung eines Nahrungsergänzungsmittels enthält eine 0,5 g Tablette 0,1 g Bernsteinsäure. Es wird empfohlen, einmal täglich ein bis drei Tabletten einzunehmen.

Die Masse an Bernsteinsäure in einer Tablette wurde experimentell überprüft:

Versuch:

Eine Bernsteinsäuretablette mit einer Masse von 0,5 g wurde zerkleinert und so in Wasser gelöst, dass ein Volumen von 50 mL entstand. Anschließend wurde die so gewonnene Lösung mit einem geeigneten Indikator versetzt und mit Natronlauge, c(NaOH)=0,1 mol/Lc(\text{NaOH}) = 0{,}1\text{ mol/L}, unter Rühren bis zum Farbumschlag des Indikators titriert. Es wurden 15,0 mL Natronlauge benötigt. Der Äquivalenzpunkt der Titration lag im alkalischen Bereich.

Früher wurde Bernsteinsäure aus Bernstein, einem in der Natur vorkommenden Schmuckstein, über trockene Destillation gewonnen. Heute wird die Bernsteinsäure meist über die katalytische Hydrierung der Maleinsäure oder biotechnologisch mithilfe von Bakterien großtechnisch hergestellt. Bernsteinsäure ist einer der zentralen Hoffnungsträger für die industrielle Biotechnologie als Plattformchemikalie für verschiedene Produkte der chemischen und pharmazeutischen Industrie, z. B. für die Herstellung biobasierter Kunststoffe. So wird Bernsteinsäure als ein Monomer zur Herstellung sogenannter Alkydharze verwendet. Alkydharze sind synthetische hydrophobe Polymere, die durch Kondensation mehrwertiger Alkohole mit mehrprotonigen Säuren unter Zusatz von Fettsäuren (zur Modifizierung der Eigenschaften des Harzes) entstehen. Alkydharze werden fast ausschließlich als Lackrohstoffe eingesetzt und haben duroplastische Eigenschaften. Das Grundgerüst der Alkydharze bilden Polyester des Alkohols und der Dicarbonsäure.

Zusatzinformationen:

Hydrierung: Bezeichnung für die Addition von Wasserstoff (H2\text{H}_2) an Mehrfachbindungen, z. B. CC-Doppelbindungen.

Molare Masse: M(Bernsteinsa¨ure)=118,09 g/molM(\text{Bernsteinsäure}) = 118{,}09\text{ g/mol}

pKSp\text{K}_\text{S}-Werte der Bernsteinsäure: pKS1=4,2p\text{K}_{\text{S}1} = 4{,}2 und pKS2=5,6p\text{K}_{\text{S}2} = 5{,}6

Für die Ermittlung des Anfangs-pH-Wertes der Bernsteinsäurelösung darf Bernsteinsäure vereinfacht als schwache einprotonige Säure behandelt und mit dem pKS1p\text{K}_{\text{S}1}-Wert gerechnet werden.

Salze der Bernsteinsäure (Butandisäure, Succinylsäure): Succinate

In der Aufgabenbearbeitung dürfen vereinfachend H2Suc\text{H}_2\text{Suc} für Bernsteinsäure sowie HSuc−\text{HSuc}^- und Suc2−\text{Suc}^{2-} für die Hydrogensuccinat- und Succinat-Ionen geschrieben werden.

Tabelle 1: Übersicht Säure-Base-Indikatoren Indikator · Farbe der Säure · pH-Bereich des Farbumschlags · Farbe der Base · pKS (HInd)p\text{K}_\text{S}\ (\text{HInd})

Thymolblau 1 · rot · 1,2 – 2,8 · gelb · 1,5

Methylorange · orange · 3,1 – 4,4 · gelb · 4,2

Bromkresolgrün · gelb · 3,8 – 5,4 · blau · 4,7

Methylrot · rot · 4,2 – 6,3 · gelb · 5,1

Bromthymolblau · gelb · 6,0 – 7,7 · blau · 7,0

Thymolblau 2 · gelb · 8,0 – 9,6 · blau · 8,9

Phenolphthalein · farblos · 8,2 – 10,0 · rot · 9,4

Thymolphthalein · farblos · 9,3 – 10,5 · blau · 9,9

Alizaringelb R · gelb · 10,0 – 12,1 · rot-braun · 11,2

Aufgabe 2 – Säure-Base-Titration und Analytik (Teilaufgaben 1 und 3)

1.1

Skizzieren Sie den Versuchsaufbau und beschriften Sie ihn. [4 Punkte]

1.2

Berechnen Sie die Stoffmengenkonzentration der Bernsteinsäure in der titrierten Lösung sowie die Masse der Bernsteinsäure in der analysierten Tablette. [10 Punkte]

1.3

Bewerten Sie das Analyseergebnis für den Bernsteinsäuregehalt der Tablette mit Blick auf die Herstellerangabe sowie auf mögliche Ursachen und Folgen. [4 Punkte]

3.1

Erläutern Sie, weshalb der Äquivalenzpunkt bei der Titration von Bernsteinsäure im alkalischen pH-Bereich liegt. [4 Punkte]

3.2

Berechnen Sie den pH-Wert am Äquivalenzpunkt und legen Sie dabei eine Basenkonzentration von c(Base)=0,015 mol/Lc(\text{Base}) = 0{,}015\text{ mol/L} zugrunde. [4 Punkte]

3.3

Nennen Sie mithilfe der Tabelle 1 Säure-Base-Indikatoren, die sich für die Titration der Bernsteinsäure eignen, und begründen Sie Ihre Wahl. [4 Punkte]

Indikator · Farbe der Säure · pH-Bereich des Farbumschlags · Farbe der Base · p K S (HInd)

Thymolblau 1 · rot · 1,2 – 2,8 · gelb · 1,5

Methylorange · orange · 3,1 – 4,4 · gelb · 4,2

Bromkresolgrün · gelb · 3,8 – 5,4 · blau · 4,7

Methylrot · rot · 4,2 – 6,3 · gelb · 5,1

Bromthymolblau · gelb · 6,0 – 7,7 · blau · 7,0

Thymolblau 2 · gelb · 8,0 – 9,6 · blau · 8,9

Phenolphthalein · farblos · 8,2 – 10,0 · rot · 9,4

Thymolphthalein · farblos · 9,3 – 10,5 · blau · 9,9

Alizaringelb R · gelb · 10,0 – 12,1 · rot-braun · 11,2

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Säure-Base-Titration und Analytik · Abitur NRW Chemie LK · Nachtermin 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Skizzieren Sie den Versuchsaufbau und beschriften Sie ihn.

Lösung: Beschriftete Skizze einer Titrationsapparatur mit Bürette (befüllt mit Natronlauge-Maßlösung c=0,1 mol/Lc = 0{,}1\text{ mol/L}), Stativ mit Bürettenklemme, Erlenmeyerkolben bzw. Becherglas als Vorlage mit der Probelösung (zerkleinerte Tablette in Wasser gelöst, versetzt mit Indikator) und Magnetrührer mit Rührstäbchen.

1. Berechnen Sie die Stoffmengenkonzentration der Bernsteinsäure in der titrierten Lösung sowie...

Lösung: 0,015 mol/L0{,}015\text{ mol/L} / 15 mmol/L15\text{ mmol/L}

1. ... die Masse der Bernsteinsäure in der analysierten Tablette.

Lösung: 0,089 g0{,}089\text{ g} / 89 mg89\text{ mg}

1. Bewerten Sie das Analyseergebnis für den Bernsteinsäuregehalt der Tablette mit Blick auf die Herstellerangabe sowie auf mögliche Ursachen und Folgen.

Lösung: Mit 0,089 g Bernsteinsäure enthält die Tablette weniger Wirkstoff als vom Hersteller angegeben (0,1 g). Die Abweichung beträgt mehr als 10 %. Als Ursache kommt ein Fehler bei der Tablettenherstellung oder ein Messfehler bei der Titration (z. B. ungenaues Ablesen der Bürette) infrage. Ein Herstellungsfehler könnte zu einer zu schwachen Wirkung führen.

3. Erläutern Sie, weshalb der Äquivalenzpunkt bei der Titration von Bernsteinsäure im alkalischen pH-Bereich liegt.

Lösung: Das am Äquivalenzpunkt vorliegende Dinatriumsuccinat ist eine Brönsted-Base. Die Succinat-Ionen reagieren mit Wasser basisch: Suc²⁻ + H₂O ⇌ HSuc⁻ + OH⁻. Die entstehenden Hydroxid-Ionen verursachen den alkalischen pH-Wert.

3. Berechnen Sie den pH-Wert am Äquivalenzpunkt und legen Sie dabei eine Basenkonzentration von c(Base) = 0,015 mol/L zugrunde.

Lösung: 8,89

3. Nennen Sie mithilfe der Tabelle 1 Säure-Base-Indikatoren, die sich für die Titration der Bernsteinsäure eignen, und begründen Sie Ihre Wahl.

Lösung: Phenolphthalein und Thymolblau 2.

3. Begründung der Indikatorenauswahl:

Lösung: Geeignete Indikatoren sind Phenolphthalein und Thymolblau 2, da deren Umschlagbereiche am besten mit dem berechneten Äquivalenzpunkt übereinstimmen.

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