Aufgabe 2 · Abitur NRW Chemie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
Thema: Elektrolyse und Korrosion · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2022)
Aufgabenstellung
Korrosionsprobleme im Bootssport
Fachspezifische Vorgaben
Korrosionsvorgänge an Metallteilen können auch im Bootssport großen Schaden verursachen, da Teile aus Stahl mit hohem Eisengehalt bei Kontakt mit Meerwasser und Sauerstoff innerhalb kurzer Zeit korrodieren (rosten).
Beim Rosten reagiert elementares Eisen zunächst mit Sauerstoff und Wasser zu Eisen(II)-hydroxid. Im weiteren Korrosionsverlauf kann Eisen(II)-hydroxid nochmals mit Sauerstoff zu Eisen(III)-oxidhydroxid mit der Formel FeO(OH) reagieren, was den eigentlichen orange-braunen Rost darstellt.
Ein besonders korrosionsgefährdeter Gegenstand auf einem Segelboot ist die Ankerkette. Sie unterliegt ständiger mechanischer Belastung und ist dem Seewasser besonders häufig ausgesetzt. Bei Segelbooten werden Ketten aus nichtrostendem Edelstahl ebenso wie verzinkte Eisenketten eingesetzt. Letztere haben den Vorteil des günstigeren Preises. Die Verzinkung der Ketten kann durch Galvanisieren erfolgen. Dabei wird die Kette in eine Lösung getaucht, die Zink-Ionen enthält, und mit dem Minuspol einer Gleichspannungsquelle verbunden. Der Pluspol der Gleichspannungsquelle wird mit einem Zinkstück verbunden, das sich ebenfalls in der Lösung befindet.
1.
Erklären Sie den Begriff Korrosion am Beispiel des Rostens von Eisen. Geben Sie die Gleichungen der Reaktionen an, die beim Rosten von Eisen stattfinden. Erläutern Sie den Ablauf der Sauerstoffkorrosion von Eisen bis zur Bildung von Eisen(II)-hydroxid und vervollständigen Sie dazu die Abbildung 2 (Anhang) mit Formeln und Teilgleichungen. [20 Punkte]
Abbildung 2 (Anhang): Ergänzen Sie die Abbildung durch Formeln und Teilgleichungen und erläutern Sie die Vorgänge.
2.
Experiment 1: Galvanische Verzinkung einer Ankerkette aus Eisen
Eine Eisenkette mit einer Masse von wurde galvanisch bei konstanter Stromstärke verzinkt. Die Masse der verzinkten Kette betrug danach .
Skizzieren Sie einen denkbaren Versuchsaufbau, mit dem ein Werkstück aus Eisen galvanisch beschichtet werden kann. Erläutern Sie den Vorgang des Galvanisierens mithilfe von Teilgleichungen der Reaktionen, die beim Verzinken von Eisen auftreten. Berechnen Sie, mit welcher Stromstärke die Ankerkette in Experiment 1 verzinkt wurde. [22 Punkte]
3.
Einsatz von Opferanoden & Experiment 2
An vielen Schiffsrümpfen kann man große Blöcke aus Magnesium oder Zink wahrnehmen. Diese Blöcke werden auch als „Opferanoden“ bezeichnet.
Experiment 2: Überprüfung des Effektes eines an Eisen angebrachten Zinkblocks
a) In einer Petrischale wird ein gereinigter Eisennagel in eine wässrige Natriumchloridlösung gelegt, die mit wenig Phenolphthalein und Kaliumhexacyanoferrat(III) versetzt wurde.
Beobachtungen: Um den Nagel sind nach einiger Zeit sowohl blaue als auch purpurfarbene Verfärbungen zu sehen.
b) In eine zweite Petrischale werden ein an der Oberfläche gereinigtes Zinkstück und darauf ein ebenfalls gereinigter Eisennagel gelegt, sodass sich beide Metalle berühren. Danach wird eine wässrige Natriumchloridlösung, die mit wenig Phenolphthalein und Kaliumhexacyanoferrat(III) versetzt wurde, vorsichtig in die Petrischale gegossen.
Beobachtungen: Am Eisennagel verfärbt sich die Lösung purpur. Am Zinkstück bildet sich ein gelblich-weißer Niederschlag.
Zusatzinformationen:
• Kaliumhexacyanoferrat(III) bildet bei Anwesenheit von -Ionen ein blaues Produkt.
• Kaliumhexacyanoferrat(III) bildet bei Anwesenheit von -Ionen einen schwerlöslichen, gelblich-weißen Niederschlag.
• Phenolphthalein färbt sich bei Anwesenheit von Hydroxid-Ionen purpur.
• , , Faraday-Gesetz:
Stoff
korrespondierendes Redoxpaar
Standardpotential ()
Zink
Eisen
Sauerstoff ()
Erläutern Sie die Beobachtungen in Experiment 2 unter Verwendung von Teilgleichungen. Erläutern Sie anhand dieser Beobachtungen den Begriff „Opferanode“ und diskutieren Sie, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Eisen mit diesem Verfahren geschützt wird. [18 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Erklären Sie den Begriff Korrosion am Beispiel des Rostens von Eisen.
Lösung: Allgemein versteht man unter Korrosion Vorgänge, bei denen Werkstoffe/Gegenstände unter teilweiser oder vollständiger Auflösung mit Stoffen der Umgebung reagieren. Beim Rosten reagiert Eisen in Gegenwart von Feuchtigkeit (Wasser) mit Sauerstoff aus der Luft: Eisenatome werden oxidiert und Sauerstoffmoleküle mit Wasser zu Hydroxid-Ionen reduziert.
1. Geben Sie die Reaktionsgleichung für die Bildung von Eisen(II)-hydroxid an.
Lösung: 2 Fe + O2 + 2 H2O -> 2 Fe(OH)2
1. Geben Sie die Reaktionsgleichung für die Weiterreaktion zu Eisen(III)-oxidhydroxid an.
Lösung: 4 Fe(OH)2 + O2 -> 4 FeO(OH) + 2 H2O
1. und 2. Skizzen: Ergänzung von Abbildung 2 und Versuchsaufbau Galvanisierung
Lösung: 1. Ergänzung von Abbildung 2: - Oxidation von Eisen: Fe -> Fe²⁺ + 2 e⁻ (im Tropfenzentrum) - Reduktion des Sauerstoffs: O₂ + 2 H₂O + 4 e⁻ -> 4 OH⁻ (am Tropfenrand / Dreiphasengrenze) - Fällung: Fe²⁺ + 2 OH⁻ -> Fe(OH)₂ 2. Skizze Galvanisierung: Versuchsaufbau mit Spannungsquelle, Zinkanode am Pluspol, Eisenwerkstück (Kathode) am Minuspol in einer zinkionenhaltigen Elektrolytlösung (z. B. ZnSO₄-Lösung).
1. Erläutern Sie den Ablauf der Sauerstoffkorrosion von Eisen bis zur Bildung von Eisen(II)-hydroxid.
Lösung: Im Tropfeninneren findet die anodische Teilreaktion statt: Eisen oxidiert zu Eisen(II)-Ionen und gibt Elektronen ab. Am Tropfenrand, wo Sauerstoff leicht diffundieren kann, erfolgt die kathodische Reduktion von Sauerstoff und Wasser zu Hydroxid-Ionen. Beide Ionen diffundieren aufeinander zu und bilden schwerlösliches Eisen(II)-hydroxid.
2. Erläutern Sie den Vorgang des Galvanisierens.
Lösung: Beim Galvanisieren findet eine Elektrolyse (erzwungene Redox-Reaktion durch eine äußere Spannungsquelle) statt. Der zu galvanisierende Stoff (die Eisenkette) wird als Kathode geschaltet, als Anode fungiert elementares Zink. Als Elektrolyt wird eine Zink(II)-Salzlösung verwendet.
2. Geben Sie die Teilgleichung an der Kathode beim Galvanisieren an.
Lösung: Zn^2+ + 2 e^- -> Zn
2. Geben Sie die Teilgleichung an der Anode beim Galvanisieren an.
Lösung: Zn -> Zn^2+ + 2 e^-
2. Berechnen Sie, mit welcher Stromstärke die Ankerkette in Experiment 1 verzinkt wurde.
Lösung: 5{,}58 A / 5.58 A
3. Erläutern Sie die Beobachtungen in Experiment 2 unter Verwendung von Teilgleichungen.
Lösung: In Schale a) zeigt die Blaufärbung die Bildung von Fe²⁺-Ionen (Fe -> Fe²⁺ + 2 e⁻) an, die mit Kaliumhexacyanoferrat(III) reagieren; die Purpurfärbung zeigt die Reduktion von Sauerstoff zu OH⁻-Ionen (2 H₂O + O₂ + 4 e⁻ -> 4 OH⁻). In Schale b) bleibt die Blaufärbung aus; stattdessen bildet sich ein gelblich-weißer Niederschlag durch Zn²⁺-Ionen (Zn -> Zn²⁺ + 2 e⁻), während am Eisennagel nur Purpurfärbung durch Sauerstoffreduktion auftritt.
3. Erläutern Sie anhand der Beobachtungen den Begriff „Opferanode“.
Lösung: Sind Eisen und Zink leitend miteinander verbunden, so kann die Korrosion von Eisen verhindert werden. Zink ist das unedlere Metall ( gegenüber für Eisen) und „opfert“ sich für das edlere Eisen, indem es oxidiert wird und Elektronen an das Eisen abgibt. Als Folge zersetzt sich nur das Zinkstück und das Eisen bleibt geschützt.
3. Diskutieren Sie, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Eisen mit diesem Verfahren geschützt wird.
Lösung: Eisen und Zink müssen elektrisch leitend miteinander verbunden sein; beide Metalle müssen sich im selben leitfähigen Elektrolyten (z. B. Seewasser) befinden; und die Schutzwirkung endet, sobald das Zink vollständig aufgebraucht bzw. oxidiert ist (regelmäßiger Austausch erforderlich).
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