Aufgabe 1 · Abitur NRW Chemie LK · Nachtermin 2021
Thema: Elektrolyse und Korrosion · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2021)
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung: Chlorung von Schwimmbadwasser und mögliche Folgen
Fachspezifische Vorgaben
Schwimmbadwasser wird aus hygienischen Gründen z. B. durch Chlorung desinfiziert, wofür unter anderem zwei Verfahren in Frage kommen.
Verfahren A: Zugabe von gasförmigem Chlor
Bei diesem Verfahren wird dem Wasser mit Überdruck gasförmiges Chlor zugegeben. Gelöstes Chlor reagiert in einer Gleichgewichtsreaktion mit Wasser und bildet Salzsäure und hypochlorige Säure (HClO), welche aufgrund ihres hohen Oxidationsvermögens die Desinfektion im Wasser bewirkt:
Die hypochlorige Säure zerfällt zudem in Schwimmbadwasser nach:
Daher muss eine ständige Nachdosierung erfolgen. Für eine ausreichende Desinfektion müssen je Liter Schwimmbadwasser gelöst werden.
Verfahren B: Durchflusselektrolyse
Die Durchflusselektrolyse wird als umweltfreundliche Methode eingesetzt. Hierbei wird leicht kochsalzhaltiges Wasser, , in einer Wasserleitung durch eine nach beiden Seiten offene Elektrolysezelle geleitet. Unter Einwirkung eines Elektrolysestroms entsteht an einer der Elektroden Chlor, das gemäß (I) in wässriger Lösung ein Gleichgewicht ausbildet. An der zweiten Elektrode entstehen Wasserstoffgas und Hydroxid-Ionen.
Eine Überlegung ist es, das Durchflusselektrolyse-Verfahren auch in Meerwasser-Schwimmbädern zur Desinfektion zu nutzen. Meerwasser enthält neben Natrium- und Chlorid-Ionen auch nennenswerte Anteile an Magnesium- und Sulfat-Ionen.
Die korrodierende Wirkung des Schwimmbadwassers führte 1985 in der schweizerischen Gemeinde Uster zum Einsturz einer mit Baustahl befestigten Decke innerhalb eines Schwimmbads. Grund hierfür waren die hohe Luftfeuchtigkeit und Aerosole des Schwimmbadwassers, die sich immer wieder als Elektrolytfilm auf dem Baustahl niederschlugen.
Das gelöste Chlor im Elektrolytfilm reagierte mit dem Eisen des Baustahls zu Eisen(II)-chlorid (). Das Eisen(II)-chlorid reagierte anschließend mit Wasser und gelöstem Sauerstoff zu Rost (Eisen(III)-oxidhydroxid, ) und Salzsäure, was die Korrosion des Eisens weiter fortschreiten ließ.
Zudem förderten die Chlorid-Ionen im Elektrolytfilm die elektrochemischen Prozesse. Ein im Folgenden dargestellter Versuch konnte dies demonstrieren.
Zusatzinformationen und Daten
Baustahl ist ein preisgünstiger Stahl, der nur eine geringe Korrosionsbeständigkeit aufweist.
Kaliumhexacyanoferrat(III) ist ein Nachweisreagenz, das bei Blaufärbung Eisen(II)-Ionen anzeigt.
Phenolphthalein ist ein Säure-Base-Indikator, der durch rosarote Färbung alkalische Lösungen anzeigt.
Ausgewählte Elektronegativitäten nach PAULING: , ,
Faraday-Gesetz:   Faraday-Konstante:
Tabelle 1: Gefahrenmerkmale ausgewählter Stoffe und Zubereitungen
Stoff · Gefahrenmerkmale
Chlorgas · Giftiges und oxidierend wirkendes Gas mit Reizwirkung auf Haut und Augen. Gewässergefährdend.
Natriumchlorid · Keine Gefahrenmerkmale.
Tabelle 2: Redoxpotentiale bei Standardbedingungen
Korrespondierendes Redoxpaar · Standard-Redoxpotential
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1.
Erklären Sie mithilfe von Oxidationszahlen, warum es sich bei den Reaktionen (I) und (II) im Verfahren A jeweils um eine Redoxreaktion handelt. Skizzieren Sie die Elektrolysezelle des Durchflusselektrolyse-Verfahrens und die darin ablaufenden Elektrolyseprozesse. Geben Sie dazu die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung der elektrochemischen Reaktion sowie die Mindestzersetzungsspannung unter Standardbedingungen an. [18 Punkte]
2.
Berechnen Sie die theoretisch erforderliche Stromstärke, damit bei der Durchflusselektrolyse mit einem Durchfluss von 10 Litern Schwimmbadwasser pro Minute je Liter Schwimmbadwasser Chlor zusätzlich gebildet werden. Begründen Sie, weshalb die Durchflusselektrolyse eine umweltfreundliche Methode zur Desinfektion von Wasser ist. Beurteilen Sie anhand der möglichen und der tatsächlich entstehenden Elektrolyseprodukte der genannten Ionen, ob sich das Durchflusselektrolyse-Verfahren auch in Meerwasser-Bädern einsetzen lässt. [16 Punkte]
3.
Deuten Sie die im Versuch gemachten Beobachtungen. Geben Sie die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung der im Versuch ablaufenden Reaktionen an. Entwickeln Sie begründet zwei Abwandlungen des Versuchs zur Sauerstoffkorrosion, mit denen sich mögliche Korrosionsschutzmaßnahmen für Eisen untersuchen lassen. [16 Punkte]
4.
Geben Sie die Reaktionsgleichungen für die beschriebene Entstehung von Eisen(II)-chlorid und dessen anschließende Umsetzung zu Rost an. Erläutern Sie, wie die dabei gebildete Salzsäure die Korrosion weiter voranschreiten lässt. Beurteilen Sie die Korrosion durch Chlor und die durch Sauerstoff im Hinblick auf das Fortschreiten der Schädigung des Baustahls. [16 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Erklären Sie mithilfe von Oxidationszahlen, warum es sich bei den Reaktionen (I) und (II) im Verfahren A jeweils um eine Redoxreaktion handelt.
Lösung: In Reaktion (I) wird (Oxidationszahl 0) zu (Chlor -I) reduziert und zu (Chlor +I) oxidiert (Disproportionierung). In Reaktion (II) zerfällt (Chlor +I, Sauerstoff -II) zu (Chlor -I) und (Sauerstoff 0).
1. Skizzieren Sie die Elektrolysezelle des Durchflusselektrolyse-Verfahrens und die darin ablaufenden Elektrolyseprozesse.
Lösung: Skizze einer durchströmten Zelle mit zwei Elektroden (Anode und Kathode). Anode: Oxidation von zu . Kathode: Reduktion von Wasser zu und .
1. Geben Sie dazu die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung der elektrochemischen Reaktion sowie die Mindestzersetzungsspannung unter Standardbedingungen an.
Lösung: Anode: Kathode: Gesamt:
2. Berechnen Sie die theoretisch erforderliche Stromstärke, damit bei der Durchflusselektrolyse mit einem Durchfluss von 10 Litern Schwimmbadwasser pro Minute je Liter eine Chlormenge von zusätzlich im Wasser vorliegt.
Lösung: A / mA
2. Begründen Sie, weshalb die Durchflusselektrolyse eine umweltfreundliche Methode zur Desinfektion von Wasser ist.
Lösung: Es müssen keine gefährlichen Chlorgasflaschen gelagert oder transportiert werden. Als Ausgangsstoff dient ungefährliches Kochsalz. Das Chlorgas wird bedarfsgerecht in geringen Mengen direkt im Wasser erzeugt.
2. Beurteilen Sie anhand der möglichen und der tatsächlich entstehenden Elektrolyseprodukte der genannten Ionen, ob sich das Durchflusselektrolyse-Verfahren auch in Meerwasser-Bädern einsetzen lässt.
Lösung: Der Einsatz ist möglich. Bei der Elektrolyse werden die Redoxpaare mit der geringsten Zersetzungsspannung zuerst umgesetzt. Dies sind weiterhin an der Anode und an der Kathode.
3. Deuten Sie die im Versuch gemachten Beobachtungen.
Lösung: Die Blaufärbung am Eisennagel zeigt die Bildung von -Ionen an (Turnbulls Blau). Die Rosafärbung an der Grafitelektrode zeigt die Bildung von -Ionen an. Die Zugabe von erhöht die Ionenkonzentration und Leitfähigkeit, wodurch der Stromfluss steigt.
3. Geben Sie die Teilgleichungen und die Gesamtgleichung der im Versuch ablaufenden Reaktionen an.
Lösung: Anode: Kathode: Gesamt:
3. Entwickeln Sie begründet zwei Abwandlungen des Versuchs zur Sauerstoffkorrosion, mit denen sich mögliche Korrosionsschutzmaßnahmen für Eisen untersuchen lassen.
Lösung: 1. Passiver Korrosionsschutz (Schutzschicht): Lackieren oder Beschichten des Eisennagels. Verhindert den Kontakt mit Elektrolyt und Sauerstoff, keine Blaufärbung. 2. Aktiver Korrosionsschutz (Opferanode): Verbinden des Eisennagels mit einem unedleren Metall (z. B. Magnesiumband). Magnesium oxidiert bevorzugt, Eisen bleibt geschützt.
4. Geben Sie die Reaktionsgleichungen für die beschriebene Entstehung von Eisen(II)-chlorid und dessen anschließende Umsetzung zu Rost an.
Lösung:
4. Erläutern Sie, wie die dabei gebildete Salzsäure die Korrosion weiter voranschreiten lässt.
Lösung: Durch die Freisetzung von Salzsäure entsteht ein saures Milieu, das zur Säurekorrosion von Eisen führt: . Die Chlorid-Ionen erhöhen die Leitfähigkeit des Elektrolytfilms und zerstören Passivschichten (Lochfraß). Es entsteht erneut , wodurch ein autokatalytischer Kreislauf entsteht.
4. Beurteilen Sie die Korrosion durch Chlor und die durch Sauerstoff im Hinblick auf das Fortschreiten der Schädigung des Baustahls.
Lösung: Die Schädigung durch Chlor schreitet wesentlich schneller und aggressiver voran als die reine Sauerstoffkorrosion. Chlor ist mit ein stärkeres Oxidationsmittel als Sauerstoff in neutraler Lösung () bzw. reagiert extrem rasch. Zudem führt die Reaktion mit Chlor zur Freisetzung von Salzsäure, die die Säurekorrosion zusätzlich ankurbelt.
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