Aufgabe 4 - Stammbäume, Verhalten und Evolution des Mensc… · Abitur NRW Biologie GK · Trichternetzspinne 2025
Thema: Stammbäume, Verhalten und Evolution des Menschen · Aus der Prüfung GK · Trichternetzspinne (2025)
Aufgabenstellung
Die giftige Trichternetzspinne Agelenopsis aperta kommt hauptsächlich in trockenen Regionen der Vereinigten Staaten und im Norden Mexikos vor. Sie baut trichterförmige Netze und wartet dort auf ihre Beute. Die Zusammensetzung und neurophysiologische Wirkung ihrer Giftmischung ist umfassend, auch im Hinblick auf evolutionsbiologische Aspekte, untersucht worden.
Material 1: Die neuromuskuläre Synapse bei Insekten
Die Skelettmuskeln von Insekten werden durch Motoneuronen angesteuert. Über verschiedene Typen von neuromuskulären Synapsen wird die ankommende Erregung an die Muskeln übertragen. Bei einem Synapsen-Typ wird Glutamat als Neurotransmitter verwendet (Abb. 1). Der Glutamat-gesteuerte Kationenkanal in der postsynaptischen Membran ist unter anderem durchlässig für Natrium-Ionen.
(in Anlehnung an: Pflüger, Duch, 2011)
Abb. 1: Neuromuskuläre, Glutamat-gesteuerte Synapse
Material 2: Neurophysiologische Wirkung von Agatoxinen
Die Trichternetzspinne Agelenopsis aperta jagt Insekten und andere Spinnen. Durch einen Biss injiziert sie der Beute eine Giftmischung und die Beute wird dadurch gelähmt. Eine Lähmung kann durch das Fehlen von Muskelkontraktionen oder durch eine dauerhafte, krampfartige Kontraktion der Muskeln verursacht werden.
Die Giftmischung enthält unterschiedliche Gifte, die alle als Agatoxine bezeichnet werden. Dazu gehört α-Agatoxin, das auf die Glutamat-gesteuerten Kationenkanäle in der postsynaptischen Membran von neuromuskulären Synapsen wirkt. µ-Agatoxin wirkt hingegen auf spannungsgesteuerte Natrium-Ionen-Kanäle im Axon des Motoneurons (siehe M 1, Abb. 1).
Der Wirkmechanismus beider Gifte wurde an den Muskeln von Stubenfliegen ( Musca domestica) untersucht. Dazu wurde zum einen α-Agatoxin zu einem Motoneuron gegeben und dieses kurz gereizt. Anschließend wurde das Potenzial an der postsynaptischen Membran gemessen (Abb. 2A). Zum anderen wurde µ-Agatoxin zu einem Motoneuron gegeben und ohne Reizung das resultierende Membranpotenzial am Axon des Motoneurons gemessen (Abb. 2B).
(in Anlehnung an Wikipedia, o.J. und Adams, 2004)
Abb. 2: Membranpotenziale nach Zugabe von Agatoxinen, A: Postsynaptisches Potenzial an einer neuromuskulären Synapse ohne und mit Zugabe von α-Agatoxin, der Pfeil kennzeichnet den Zeitpunkt der Reizung; B: Aktionspotenziale am Axon des Motoneurons nach Zugabe von µ-Agatoxin ohne Reizung
Material 3: Wirkung der Giftmischung auf Beutetiere
Die Giftmischung von A. aperta besteht aus verschiedenen Giften, die zu unterschiedlichen Stoffklassen gehören. Die Gifte werden jeweils über unterschiedliche, mehrschrittige und energetisch aufwändige Biosynthesewege in den Giftdrüsen produziert. Die Giftmischung wird gespeichert und mit dem Biss in das Beutetier eingebracht, wodurch dieses rasch und lang anhaltend gelähmt wird. Zur Untersuchung der Wirkung verschiedener Agatoxine auf Beutetiere wurden die Gifte einzeln oder gemeinsam in erwachsene Stubenfliegen injiziert. Anschließend wurde die Intensität der Lähmung jeweils über mehrere Stunden erfasst (Abb. 3).
Abb.3: Lähmungsintensität bei Stubenfliegen nach Injektion von α- und µ-Agatoxin. Ab der 5. Stunde liegt eine andere Skalierung der Zeitintervalle vor.
(verändert nach an Adams, 2004)
4
Analysieren Sie Material 3 im Hinblick auf die reproduktive Fitness bei Agelenopsis aperta. [6 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Analysieren Sie Material 3 im Hinblick auf die reproduktive Fitness bei Agelenopsis aperta.
Lösung: Für die Herstellung der Giftmischung werden Ressourcen und Energie benötigt. Die Injektion von α-Agatoxin allein führte zu einer raschen Lähmung des Beutetiers, die aber nur kurzzeitig anhält. Die Injektion von μ-Agatoxin führte erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Lähmung, hielt aber länger an. Die Kombination der beiden Gifte führte gleichzeitig zu einer raschen und langanhaltenden Lähmung der Beutetiere. Durch den Einsatz einer Giftmischung kann insgesamt eine bessere Nahrungsversorgung erfolgen und somit eine höhere reproduktive Fitness der Spinne erzielt werden. Dieser Fitnessvorteil überwiegt den Nachteil des Ressourcen- und Energiebedarfs für die Synthese der Giftmischung.
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