Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Wirtschaftswissenschaften GK 2021

Thema: Geldpolitik der EZB und Wechselkurse · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

Material 1

Jan Mallien: Angst vor dem Währungskrieg (2019)

Für US-Präsident Donald Trump ist die Sache klar. Aus seiner Sicht manipulieren Europa und China ihre Währungen. Sie „spielen das große Manipulationsspiel und pumpen Geld in ihr System, um mit den USA zu konkurrieren“, schrieb er jüngst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Gleichzeitig schlug er vor, die USA sollten dasselbe tun, sonst seien sie „die Dummen, die sich zurücklehnen und höflich zugucken, wie andere Staaten ihre Spielchen spielen“.

Trumps Drohungen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Jüngst haben die Europäische Zentralbank (EZB) und US-Notenbank (Fed) eine Wende in der Geldpolitik angedeutet und wollen diese nun noch weiter lockern. In der Regel beeinflusst das auch den Wechselkurs der Währungen. Trump spricht sich schon seit Längerem für einen schwächeren Dollar aus […]. Seine Regierung hat Strafzölle gegen Länder vorgeschlagen, die angeblich ihre Währungen manipulieren. Dass es der US-Präsident ernst meint, zeigt die Tatsache, dass er seit seinem Amtsantritt bereits Zölle gegen verschiedene Länder wie China verhängt. […]

Erklärtes Ziel von Präsident Trump ist es, das hohe Außenhandelsdefizit der USA zu senken. Doch Zölle allein ändern daran vermutlich nur wenig. […] Insofern hat Trumps Fokus auf den Wechselkurs durchaus eine gewisse Logik. Die Frage ist jedoch, inwieweit sich dieser von politischer Seite überhaupt beeinflussen lässt. Schließlich sind der Dollar und der Euro frei handelbar, und ihr Wechselkurs bildet sich am Markt. Die US-Regierung erhöht bereits den Druck auf andere Länder. So hat das US-Handelsministerium vorgeschlagen, Anti-Dumping-Abgaben gegen Länder zu verhängen, die ihre Währung aus amerikanischer Sicht künstlich niedrig halten. […]

Neben dem Druck auf andere Länder könnte Trump den Dollar-Kurs direkter beeinflussen, indem er versucht, die US-Notenbank (Fed) für seine Zwecke einzuspannen. So fordert der Präsident bereits seit geraumer Zeit Fed-Chef Jerome Powell zu Zinssenkungen auf, was tendenziell den Dollar schwächen würde. Devisenexpertin Reichelt glaubt, dass Trump eventuell sogar noch weiter gehen könnte. […]

So hat Trump für freie Positionen im Führungsgremium der Fed zuletzt […] zwei sehr umstrittene Kandidaten vorgeschlagen, die beide als starke Anhänger von Zinssenkungen gelten. […]

Außerdem soll Trump gegenüber Vertrauten gesagt haben, dass er Powell entlassen könne. Das Gesetz ist in dieser Frage nicht eindeutig. Es heißt, dass dafür ein Grund vorliegen muss. Ob ein Streit über die Zinspolitik ausreicht, ist fraglich. Allein eine Diskussion darüber könnte aber das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Fed beschädigen und den Dollar schwächen.

Reichelt hält es sogar für möglich, dass Trump auch Interventionen am Devisenmarkt anordnen könnte. Allerdings hat das US-Finanzministerium dafür nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung. […]

Auch wenn es nicht einfach ist, den Wechselkurs zu beeinflussen, gibt es also einige Möglichkeiten dafür. Und selten war die Gefahr so groß wie jetzt, dass sie zum Einsatz kommen. Das hängt vor allem auch mit der Geldpolitik zusammen, die in den kommenden Monaten für viel Streit sorgen könnte. Wie genau Trump die Schritte der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgt, hat er vor Kurzem nach der Rede von Mario Draghi im portugiesischen Sintra gezeigt. Der EZB-Chef hatte dort eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euro-Raum in Aussicht gestellt und darauf verwiesen, dass sowohl Zinssenkungen als auch zusätzliche Anleihekäufe möglich seien.

Kurz darauf schrieb Trump auf Twitter: „Mario Draghi kündigte gerade an, dass weitere Impulse kommen könnten, die den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließen.“ Dies mache es für Europa unfairerweise leichter, mit den USA zu konkurrieren. „Sie sind damit seit Jahren durchgekommen, zusammen mit China und anderen.“

Tatsächlich kann die Geldpolitik den Wechselkurs stark beeinflussen. Als EZB-Chef Draghi im August 2014 in einer Rede im amerikanischen Jackson Hole massive Anleihekäufe in Aussicht stellte, wertete der Euro in den acht Monaten danach um etwa 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab. […]

Gerade in Phasen, in denen die Notenbanken die Geldpolitik gelockert haben, wurde auch in der Vergangenheit oft vor der Gefahr eines Währungskriegs gewarnt - ohne dass es tatsächlich dazu gekommen ist. Zu groß war die Angst, dass bei einem Abwertungswettbewerb am Ende alle Länder verlieren. Im Unterschied dazu ist ein solcher Konsens heute vor allem durch die schwelenden Handelskonflikte noch schwerer geworden.

Jan Mallien: Angst vor dem Währungskrieg, in: Handelsblatt Nr. 135, 17.07.2019, S. 30.

Material 2

* vorläufige Angabe, Prognose

Germany Trade and Invest (Hg.): Wirtschaftsdaten kompakt – USA, URL: https://www.gtai.de/resource/blob/14818/2bea3c7de168b25db0ff93f1701dc94d/mkt201611222042-159570-wirtschaftsdaten-kompakt-usa-data.pdf (abgerufen am 25.01.2020).

2

Erläutern Sie ausgehend vom Material Faktoren, die auf die Bildung von flexiblen Wechselkursen Einfluss nehmen. (Material 1) (20 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Wirtschaftswissenschaften GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erläutern Sie ausgehend vom Material Faktoren, die auf die Bildung von flexiblen Wechselkursen Einfluss nehmen. (Material 1)

Lösung: Ausführliche Erläuterung der Bestimmungsfaktoren flexibler Wechselkurse auf dem Devisenmarkt (Devisenangebot und Devisennachfrage, Zinsdifferenzen, Preis- und Inflationsdifferenzen, Produktivität/Wettbewerbsfähigkeit, Devisenmarktinterventionen und Spekulation).

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