Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2.2-2.3 · Abitur Hessen Umweltökonomie GK 2022
Thema: Umweltmanagement und nachhaltige Unternehmensführung · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Experten gehen davon aus, dass sich der Preis je kWh in Deutschland an der Strombörse bei 0,12 Euro einpendelt. Die durchschnittlichen Kosten für die Herstellung von einem kWh Strom durch Biogasanlagen liegt bei 0,20 Euro. Die durchschnittliche Menge an Biogas-Strom in Deutschland beträgt 29,5 Mrd. kWh. Bei dieser Ausgangslage ist anzunehmen, dass die Erzeugung von Biogas-Strom rückläufig sein wird.
2.2 Die Meyer GmbH will einen nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, indem sie freiwillig und über die gesetzlichen Forderungen hinaus ökologische und soziale Belange berücksichtigt.
2.2.1
Erläutern Sie mindestens zwei Aspekte, die das Unternehmen über die gesetzlich geforderten Standards hinaus berücksichtigen könnte. [6 BE]
2.2.2
Beurteilen Sie anhand der Kriterien der Nachhaltigkeit, ob das Unternehmensleitbild der Meyer GmbH (Material 2) diesen Ansprüchen genügen kann. [8 BE]
2.3 Das Unternehmen Meyer GmbH überlegt, eine Zertifizierung im Bereich „Umwelt“ vornehmen zu lassen.
2.3.1
Vergleichen Sie die Zertifikate ISO 14001 und EMAS. [16 BE]
2.3.2
Beurteilen Sie, ob EMAS oder ISO 14001 für die Meyer GmbH sinnvoller ist. [8 BE]
2.3.3
Im Verlauf der Zertifizierung bei der Meyer GmbH wird festgestellt, dass einige Zulieferer nicht den nachhaltigen Kriterien entsprechen und es einer Überprüfung dieser Zulieferer bedarf. Erläutern Sie die besonderen Herausforderungen des Lieferketten-Managements in der globalisierten Weltwirtschaft. [6 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.2.1 Erläutern Sie mindestens zwei Aspekte, die das Unternehmen über die gesetzlich geforderten Standards hinaus berücksichtigen könnte.
Lösung: Mögliche Aspekte (mindestens zwei): - Arbeitsbedingungen: Gehaltsstruktur, Lohntransparenz, Personalentwicklung, Familienfreundlichkeit, Frauenförderung, Wertekanon. - Umweltschutz: Berücksichtigung von Umweltaspekten, ressourcenschonendes Verhalten, ökologische Innovationen, Kooperation mit der Öffentlichkeit. - Verbraucherschutz und soziales Engagement (CSR): Offenheit, Transparenz, gesellschaftliches Engagement. - Sozial-ökologische Standards in der Zulieferkette.
2.2.2 Beurteilen Sie anhand der Kriterien der Nachhaltigkeit, ob das Unternehmensleitbild der Meyer GmbH (Material 2) diesen Ansprüchen genügen kann.
Lösung: Beurteilung: - Kriterien der Nachhaltigkeit: Ökonomische Nachhaltigkeit (dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg, Existenzsicherung am Markt), ökologische Nachhaltigkeit (Schonung und Schutz natürlicher Ressourcen) und soziale Nachhaltigkeit (inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen). - Abgleich mit dem Leitbild: Das ökonomische Handeln ist stark verankert (Nutzenmaximierung für Kunden, Gewinnstreben, Kostenführerschaft, kontinuierlicher Verbesserungsprozess). Aussagen zur ökologischen und sozialen Verantwortung fehlen jedoch weitgehend. - Fazit: Das Leitbild genügt den Ansprüchen der Nachhaltigkeit nur sehr eingeschränkt.
2.3.1 Vergleichen Sie die Zertifikate ISO 14001 und EMAS.
Lösung: Vergleich ISO 14001 und EMAS: 1. Ziele: - Hauptziel beider Systeme ist die Förderung der kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. - ISO 14001 fokussiert vorwiegend auf Einrichtung, Aufrechterhaltung und ständige Verbesserung der Wirksamkeit des Umweltmanagementsystems. - EMAS verlangt zusätzlich verstärkt die Betrachtung der tatsächlichen Umweltauswirkungen und quantifizierbare Verbesserungen der Umweltleistung (z. B. Senkung von CO2-Emissionen). 2. Gemeinsamkeiten: - Beide Managementsysteme fördern die Umweltverantwortung von Organisationen. - Sensibilisierung der Mitarbeiter, Einbindung von Anspruchsgruppen und Erreichung konkreter Umweltziele. - Festlegung eines regelmäßigen Monitorings zur Sicherstellung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. 3. Unterschiede: - Rechtsstatus: ISO 14001 ist privatrechtlicher Natur (weltweite Industrienorm), EMAS basiert auf einer EU-Verordnung. - Prüfverfahren: ISO 14001 erfolgt durch akkreditierte Zertifizierungsstellen; EMAS durch staatlich zugelassene unabhängige Umweltgutachter mit anschließender behördlicher Registrierung. - Umweltauswirkungen: ISO 14001 betrachtet v. a. direkt kontrollierbare Aspekte am Standort; EMAS bezieht zwingend auch indirekte Aspekte (z. B. Lieferketten, Produktlebenszyklus) ein. - Anwendungsbereich: ISO 14001 kann für das gesamte Unternehmen weltweit gelten; EMAS bezog sich traditionell auf Standorte. - Öffentlichkeit: ISO 14001 verlangt keine zwingende Veröffentlichung der Umweltpolitik; bei EMAS ist eine validierte Umwelterklärung für die Öffentlichkeit verpflichtend.
2.3.2 Beurteilen Sie, ob EMAS oder ISO 14001 für die Meyer GmbH sinnvoller ist.
Lösung: Prüflingsindividuelle, begründete Abwägung, beispielsweise: - Argumente für ISO 14001: Weltweit anerkannt, geringere Anforderungen an die Zertifizierung, damit verbunden niedrigere Kosten und geringerer bürokratischer Aufwand; keine Verpflichtung zur Offenlegung interner Umweltdaten gegenüber der Öffentlichkeit. - Argumente für EMAS: Höhere Glaubwürdigkeit und Transparenz, echte Verbesserung der Umweltleistung, Vorreiterrolle im Umweltschutz; allerdings hoher Aufwand und zweifelhafter Zusatznutzen, falls Kunden den Unterschied zu ISO 14001 nicht honorieren. - Fazit: Für ein mittelständisches Unternehmen mit dem bisherigen Ziel der Kostenführerschaft ist ISO 14001 pragmatischer und kostengünstiger, während EMAS gewählt werden sollte, wenn echte ökologische Spitzenleistungen und Transparenz als Differenzierungsmerkmal angestrebt werden.
2.3.3 Erläutern Sie die besonderen Herausforderungen des Lieferketten-Managements in der globalisierten Weltwirtschaft.
Lösung: Herausforderungen des globalen Lieferketten-Managements: - Schwierige Überprüfung und Kontrolle: Vorlieferanten sitzen oft in Niedriglohnländern oder weit entfernten Regionen; Audits vor Ort sind aufwendig, teuer und bieten oft nur punktuelle Einblicke. - Mangelnde Transparenz: Komplexe, mehrstufige Zuliefererstrukturen erschweren die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen und Arbeitsbedingungen. - Interessens- und Rechtskonflikte: Unterschiedliche gesetzliche Umwelt- und Sozialstandards in den Herkunftsländern erschweren die Durchsetzung unternehmenseigener Kriterien. - Lieferantenwechsel: Verstöße erfordern Nachverhandlungen oder Lieferantenwechsel, was mit hohen Such-, Wechsel- und Qualitätskosten sowie Lieferrisiken verbunden ist.
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Aufgabe Vorschlag B - 1 (1.3) - Umweltmanagementsysteme · GK 2021 ›