Aufgabe Vorschlag C - 5 · Abitur Hessen Umweltökonomie GK 2021
Thema: Marktversagen, externe Effekte und Wohlstandsmessung · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Material 1
Bruttoinlandsprodukt und die Kritik daran
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft. Es gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die über einen bestimmten Zeitraum (üblicherweise ein Jahr) innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden und dem Konsum, der Investition, der staatlichen Tätigkeit dienen oder exportiert werden. Das Bruttoinlandsprodukt errechnet sich als Summe der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche zuzüglich von Gütersteuern und abzüglich von Gütersubventionen. Die Veränderung des BIP gibt Aufschluss über das Wirtschaftswachstum.
Das Bruttoinlandsprodukt ist in erster Linie ein Produktionsindikator. Es zeigt die wirtschaftliche Leistung eines Landes während eines bestimmten Zeitraums. […]
Das BIP wurde nicht mit dem Ziel entwickelt, ein Maßstab für das Wohlbefinden oder die gesellschaftliche Wohlfahrt zu sein. Es beleuchtet die Wohlfahrt aus rein monetärer Sicht. […]
Das BIP erfasst nur Transaktionen, die einen Marktpreis haben, und aggregiert diese unreflektiert. So werden wohlfahrtsmindernde und wohlfahrtsstiftende Nutzen aufsummiert, was zu Informationsverlusten führt. Informelle Wirtschaft und Schattenwirtschaft ebenso wie Freiwilligenarbeit und Familienarbeit werden nicht erfasst, weil sie keinen Marktpreis haben bzw. nicht am Markt gehandelt werden. […]
Das Bruttoinlandsprodukt kann wenig über die Entwicklung von Natur- und Humankapital aussagen. Bildungs- und Gesundheitsausgaben werden im BIP nur als Konsum und nicht als Investition in Humankapital gewertet. Veränderungen des Naturkapitalstocks durch Umweltverschmutzung oder Ressourcenknappheit werden nicht berücksichtigt. […] Ebenso ist das BIP kein geeigneter Indikator zur Beurteilung der Einkommensverteilung. Zwar zeigt es das Durchschnittseinkommen (BIP pro Kopf) einer Nation, jedoch sagt dies nichts über die Verteilung der Einkommen bzw. die Ungleichheit in einer Gesellschaft aus. […]
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/bruttoinlandsprodukt_und_die_kritik_daran_1819.htm, abgerufen am: 18.12.2020
Aus dem Stabilitäts- und Wachstumsgesetz resultiert für die Wirtschaftspolitik die Aufgabe, ein stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum anzustreben, welches mithilfe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) berechnet wird. (Material 1)
5.1
Erläutern Sie die Messgröße Bruttoinlandsprodukt und beschreiben Sie ein konkretes Beispiel für Transaktionen, die keinen Marktpreis haben. [6 BE]
5.2
Erörtern Sie folgende These: „Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Indikator für den Wohlstand eines Landes.“ [10 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
5.1 Erläutern Sie die Messgröße Bruttoinlandsprodukt
Lösung: Das BIP ist die Summe der Werte aller in einem Zeitraum erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen eines Landes. Das BIP errechnet sich als Summe der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche zuzüglich von Gütersteuern und abzüglich von Gütersubventionen. Die Veränderung des BIP gibt Aufschluss über das Wirtschaftswachstum, nicht über das Natur- und Humankapital und die Einkommensverteilung.
5.1 ...und beschreiben Sie ein konkretes Beispiel für Transaktionen, die keinen Marktpreis haben.
Lösung: Die Erziehung von Kindern und die Betreuung von Alten durch die Familie zählt zu den Leistungen, die keinen Marktpreis haben. Weitere Beispiele: ehrenamtliche Tätigkeiten oder Hausarbeiten.
5.2 Erörtern Sie folgende These: „Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Indikator für den Wohlstand eines Landes.“
Lösung: Da das BIP nur die über den Markt gehenden Güter und Dienstleistungen betrachtet und die außerökonomischen Leistungen wie Hausarbeit, Kindererziehung, ehrenamtliche Leistungen nicht bewertet, werden diese wichtigen Leistungen nicht dargestellt. Weiterhin werden z. B. Aufräumarbeiten nach Umweltkatastrophen als Steigerung im BIP dargestellt, obwohl diese nicht zur Steigerung des Wohlstandes der Menschen beitragen. Obwohl aber im BIP Werte vernachlässigt werden, die nicht über den Markt abgewickelt werden, und andere erfasst werden, die keine Wohlstandsmehrung bedeuten, ist es dennoch als Wohlstandsindikator geeignet – allerdings nur als Vergleichswert mit anderen Staaten und in quantitativer Hinsicht. Denn im BIP werden qualitative Größen, wie z. B. Glück und Gesundheit sowie auch Verteilungsaspekte nicht berücksichtigt, diese stellen jedoch wichtige Bewertungsmaßstäbe im Hinblick auf „Wohlstand“ dar. Somit ist festzuhalten, dass das BIP als Wohlstandsindikator gesehen werden kann, wenn man es ausschließlich auf quantitative Aspekte bezieht. Werden aber auch andere Aspekte unter diesem Begriff verstanden, ist es nicht mehr als Wohlstandsindikator geeignet.
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