Aufgabe Vorschlag C - Aufgaben 2.2 und 3: Musik und Maler… · Abitur Hessen Musik GK 2022
Thema: Musik und Malerei: Bild und Musik vergleichen · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Material 1: Anton Webern: Bagatelle I aus „Sechs Bagatellen für Streichquartett“ op. 9 (1919)
Erläuterungen zum Notenbeispiel:
Bagatelle: · in der Musik kleines Werk der Instrumentalmusik
mit Dämpfer (mit Dpfr): · reduziert bei Streichinstrumenten die Obertöne, der Klang wird leiser und weicher
am Steg: · der Ton klingt rauchig
Tremolo: · schneller Wechsel zwischen zwei Tönen (T. 5)
schnelle Wiederholung des Zweiklangs (T. 8)
pizz.: · pizzicato = gezupft
arco: · mit dem Bogen gestrichen
kleiner Kreis über normalem Notenkopf (z.B. Vc T. 1), kleinem, leerem Notenkopf (z.B. Vl 1, T. 4) oder rautenförmigem Notenkopf (z.B. Vc T. 5): Flageolett, eine besondere Spielweise, bei der ein leiser, hoher, flötenähnlicher (Ober-)Ton erklingt
rit.: · ritardando = Tempo verlangsamen
accel.: · accelerando = Tempo beschleunigen
d-Saite: · der Ton soll ausdrücklich auf der d-Saite (nicht auf einer anderen) gespielt werden, dies hat Auswirkungen auf den Klang
· Bratschen-Schlüssel (c¹ liegt auf der dritten Linie)
· Tenor-Schlüssel (c¹ liegt auf der vierten Linie)
Material 2
2.2
Vergleichen Sie das Bild „Stallungen“ von Franz Marc mit der Bagatelle I von Anton Webern im Hinblick auf Gestaltung und Wirkung. (Material 2) [20 BE]
3
Arnold Schönberg schreibt über die Bagatellen von Webern:
„Man bedenke, welche Enthaltsamkeit dazu gehört, sich so kurz zu fassen. Jeder Blick läßt sich zu einem Gedicht, jeder Seufzer zu einem Roman ausdehnen. Aber: einen Roman durch eine einzige Geste, ein Glück durch ein einziges Aufatmen auszudrücken: solche Konzentration findet sich nur, wo Wehleidigkeit 1 in entsprechendem Maße fehlt.“ (Arnold Schönberg, 1924)
1 hier zu verstehen als Gegenteil von Enthaltsamkeit
Begründen Sie auf der Basis Ihrer Ergebnisse aus den Aufgaben 1 und 2, dass das Zitat konkret auf die erste Bagatelle bezogen werden kann, und überprüfen Sie, inwiefern die Aussage Schönbergs auch auf das Bild zutreffen könnte. [25 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.2 Vergleichen Sie das Bild „Stallungen“ von Franz Marc mit der Bagatelle I von Anton Webern im Hinblick auf Gestaltung und Wirkung. (Material 2)
Lösung: Vergleich von Bild und Musikwerk: - Farbigkeit und Klangfarbe: Vielfältige Farbigkeit von Weiß bis Schwarz mit zahlreichen Zwischentönen entspricht der Verwendung aller Halbtöne (chromatische Tonleiter) und den ausdifferenzierten Streicherklangfarben (am Steg, Flageolett, d-Saite). - Titel und Abstraktion: Die Titel („Stallungen“ / „Bagatelle“) geben Hörer/Betrachter Orientierung. Bei Marc sind Pferde und Stallungen abstrahiert, aber noch erkennbar; bei Webern sind traditionelle Formmodelle aufgelöst, aber winzige Abschnitte (Einschnitte) noch andeutungsweise vorhanden. - Formen und Motive: Geometrische Formen (Rundungen, Linien) und flächige Kontraste (Rotbraun-Grün, Kalt-Warm) spiegeln die extremen dynamischen Kontraste und weit entfernten Tonlagen wider. Zersplitterung des Gegenständlichen entspricht der Zersplitterung melodischer Linien in kurze Fragmente. - Raum und Textur: Keine Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund bzw. Motiv und Grund im Bild entspricht dem Fehlen einer klassischen Trennung von Melodie und Begleitung in der Musik. - Wirkung: Bild wirkt als durchorganisierte, dichte Komposition; die Musik wirkt subjektiv, spontan und konzentriert. Beide Werke bestehen aus kleinen, ineinandergreifenden Versatzstücken.
3 Arnold Schönberg schreibt über die Bagatellen von Webern: [...] Begründen Sie auf der Basis Ihrer Ergebnisse aus den Aufgaben 1 und 2, dass das Zitat konkret auf die erste Bagatelle bezogen werden kann, und überprüfen Sie, inwiefern die Aussage Schönbergs auch auf das Bild zutreffen könnte.
Lösung: Bezug des Schönberg-Zitats auf Musik und Bild: - Bezug auf die Bagatelle: Schönberg betont die radikale Kürze und Enthaltsamkeit, mit der Webern durch minimale Gesten maximalen Ausdruck erzeugt. Webern verzichtet auf jegliches Beiwerk der Tradition des 19. Jahrhunderts (keine thematische Entwicklung, keine Wiederholungen, keine tonale Kadenzharmonik, keine ausgedehnten Formteile). Jeder einzelne Ton, jede dynamische Vorschrift und jede Spielanweisung erhält dadurch enormes Gewicht und höchste expressive Dichte. - Überprüfung des Bezugs auf das Bild „Stallungen“: Auch bei Franz Marc findet eine deutliche Reduktion und Konzentration statt. Das Motiv ist auf wesentliche Formen und geometrische Segmente abstrahiert. Die traditionelle Dreidimensionalität und perspektivische Raumillusion treten in den Hintergrund zugunsten einer Konzentration auf Farbe, Rhythmus und Dynamik der Flächen. Die Pferde bleiben als Wesenskern ohne illustrierendes, überflüssiges Beiwerk im Mittelpunkt. Somit lässt sich Schönbergs Gedanke der Verdichtung und des Verzichts auf narrative Ausschmückung auch auf Marcs Bildsprache übertragen.
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Aufgabe Vorschlag D - Aufgaben 1 und 3: Musik und Malerei · LK 2022 ›