Abitur Hessen Deutsch 2025 · LK · Sprachverwendung in Unternehmen
Aufgabe Deutsch aus dem IQB-Pool 2025, LK · Sprachverwendung in Unternehmen: 2 Teilaufgaben mit Lösungen. Themen: Analyse pragmatischer Texte. Kostenlos.
Themen der Prüfung: Analyse pragmatischer Texte · Erörterung und Stellungnahme
Aufgabe 1 - Analyse pragmatischer Texte
Aufgabenstellung
Material
Hendrik Munsberg: Heute schon „gepitcht“? (2021)
VW-Chef Herbert Diess hat das Auto neu erfunden. Damit das auch jeder merkt, nennt er
Autos jetzt nicht mehr „Autos“, sondern „Mobile Devices“. Allerdings bleibt da für Diess, wie er
selber sagt, noch eine „Challenge“: VW muss die Probleme mit Software und Elektronik in den
Griff bekommen.
5 Selbstverständlich steht auch Oliver Bäte, der Vorstandsvorsitzende des Allianz-Konzerns, an
der Spitze des Fortschritts. Neuerdings ist er strikt darauf bedacht, dass in seinem global
operierenden Unternehmen „Produkte und Prozesse“ nicht nur „einfach und digital“ sind.
Sondern – wichtig, wichtig – auch „skalierbar“.
Klar, dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Wettstreit um Deutungshoheit ganz vorne
10 mitmischt. Jetzt, in der Corona-Krise, achtet Sewing akribisch auf die Bedürfnisse seiner
Kunden, die wegen Infektionsgefahr ihre Finanzgeschäfte daheim am Computer oder per
Tablet erledigen. Die Deutsche Bank schloss deshalb deutlich mehr Filialen als geplant. Nutzt
Sewing etwa die Pandemie aus, um Kosten zu drücken? Mitnichten! Seine Erklärung: „Wir
reagieren agil“.
15 Agil, skalierbar, Mobile Devices und jeden Tag eine neue Challenge! Hallo? Versteht das da
draußen noch jemand? Wohl kaum, aber meist ist das auch gar nicht die Absicht, schon eher
geht es um verbales Blendwerk. Immer neue Modewörter geistern durch die deutsche
Wirtschaft – vorzugsweise sind es Anglizismen, Anleihen aus dem Anglo-Amerikanischen, der
weltweit dominierenden Wirtschaftssprache. Wer diesen Jargon benutzt, sagt der
20 Wirtschaftspsychologe Dieter Frey, „will vor allem als modern und fortschrittlich gelten und
dadurch anderen imponieren“. Gelingt das, so dauert es nicht lange, bis sich immer mehr
Nachahmer finden.
Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) 1 hat für die Süddeutsche Zeitung
erkundet, welche Begriffe und Phrasen seit 1990 in Firmen Karriere gemacht haben. Überaus
25 populär sind demnach „Performance“ und „Portfolio“ […], ähnlich beliebt ist das Verb
„fokussieren“. Als Evergreens 2 erweisen sich aber auch Redensarten und Plattitüden wie „gut
aufgestellt“, „Sinn machen“ und – ebenfalls hitverdächtig – „am Ende des Tages“.
Die Analyse des IDS stützt sich auf eine Auswertung deutschsprachiger Zeitungen und
Zeitschriften in den Ressorts „Wirtschaft“, „Finanzen“ und „Beruf“. […] Deutsche-Bank-Chef
30 Sewing und Allianz-Lenker Bäte liegen also voll im Trend.
Über Jahre und Jahrzehnte hinweg bilden sich immer neue Sedimentschichten aus Wörtern
und Phrasen, die zu einer Art Wirtschaftskauderwelsch verschmelzen. Heute wird in den
Firmen des Landes „supported“, „committed“ und „gepitcht“, was das Zeug hält. Na klar, die
deutschen Entsprechungen – unterstützen, vereinbaren und auswählen – klingen irgendwie
35 altbacken. Und was braucht heute jede Firma, die sich als „nachhaltig“ präsentieren will?
Logisch, ein „Purpose“ muss her! Ein irgendwie höherer Sinn und Zweck, der nach mehr klingt
als nach schnöder Gewinnmaximierung.
Fast noch wichtiger sind für moderne Manager aber die pseudo-philosophischen Zutaten.
Beinahe jeder Arbeitnehmer in Deutschland bekommt es heute mit Vorgesetzten zu tun, die
40 ihrem Redefluss in penetranter Häufigkeit ein „am Ende des Tages“ beimischen. Oder die
daran erinnern, dass ein Projekt oder Geschäft „Sinn machen“ muss, worin das englische „to
make sense“ durchscheint, im Deutschen müsste es aber eigentlich „Sinn ergeben“ oder
„sinnvoll“ heißen.
Und wozu dient solches Geschwätz? Offenkundig um klarzumachen, dass zumindest einer in
45 der Firma zu Recht höher dafür bezahlt wird, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
Und je mehr Mitarbeiter das glauben, desto mehr sind bereit, die Phrasen nachzuplappern,
sogar in der Freizeit, unter Freunden und in der Familie. Das Unternehmens-Kauderwelsch
wird so zum Fortschrittsbekenntnis.
Beste Chancen, Klassiker zu werden, haben auch Anleihen beim Sport: „Wir sind gut
50 aufgestellt“, das gehört zum Standardrepertoire von Topmanagern und Firmenchefs. Die
Politik kopiert das gern: Längst sind auch Union, SPD, Grüne und FDP „gut aufgestellt“,
jedenfalls behauptet das ihr Führungspersonal unablässig.
IDS-Forscher Marc Kupietz betrachtet den Wandel der Sprache im Wirtschaftsleben nüchtern.
Manche Begriffe, sagt er, seien „sogar nützlich, um Phänomene besser zu beschreiben. Die
55 werden dann ausprobiert“. Und entpuppen sich „als erfolgreiche Neuwortschöpfungen“ – oder
enden als „Kurzzeitwörter“. „Skalierbar“ bezeichnet zum Beispiel einen ökonomischen
Sachverhalt, der sich im Deutschen nicht mit einem einzigen Begriff erklären lässt […].
Andererseits: Wer will oder muss wirklich wissen, was das ist?
Angefacht wird die Wortschöpfung durch Leute, die damit Geld verdienen: Modewörter wie
60 Purpose, sagt Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaft an der
Universität Hohenheim, „kommen von den Unternehmens- und Managementberatern, die sich
so profilieren wollen. Sobald bestimmte Begriffe abgenutzt sind, sucht man nach der nächsten
Sau, die dann durchs Dorf getrieben wird.“ Am Inhalt, so Brettschneider, ändere sich dadurch
nichts, „aber es klingt irgendwie gewichtiger“.
65 Viele Manager nutzen die Sprachkreationen gern für Umdeutungen oder Schönfärbereien.
Wer würde heute zugeben, dass seine Firma „Probleme“ hat oder in „Schwierigkeiten“ steckt?
Das klänge ja wie das Eingeständnis, die Lösung liege noch im Nebel. Darum sagt man lieber:
„Wir haben da ein Thema.“ Darin schwingt schon mit – „Haken dran, erledigt“. Das wohl
prominenteste Beispiel kommt aus Wolfsburg: In der Diktion des VW-Topmanagements gab
70 es keinen „Abgas-Skandal“, sondern nur eine „Dieselthematik“.
Und warum nennt VW-Chef Diess Autos, die sein Konzern produziert, nicht mehr Autos,
sondern Mobile Devices? Na klar, das soll nach innovativen iPhones klingen, wie bei Apple-
Chef Tim Cook. Verbindet Diess damit womöglich auch eine Verdrängungsabsicht? Tesla-
Chef Elon Musk jedenfalls nennt seine Elektroflitzer schlicht cars – und nicht mobile devices.
75 „Solche Umdeutung“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, habe Musk „auch gar nicht
nötig“, schließlich gelte „Tesla, anders als VW, in puncto Software weltweit als Vorbild“.
Aber gibt es unter den Spitzenmanagern keinen, der sich dem Kauderwelsch-Trend
widersetzt? Doch, einer weigert sich, die Unternehmenswelt mit immer neuen Anglizismen
anzureichern: Telekom-Chef Tim Höttges. „Natürlich“, sagte er, „könnte ich durch Sprache
80 Hierarchie oder Macht ausdrücken. Aber Kommunikation auf Augenhöhe erfordert
Einfachheit.“ Höttges vermeidet bei öffentlichen Auftritten tunlichst Anglizismen und
Fremdwörter. Statt „Cashflow“ oder „Ebitda“ sagt er „frei verfügbare Mittel“ und „operatives
Ergebnis“. Auf Hauptversammlungen schafft es Höttges, länger als eine halbe Stunde in leicht
verständlichem Deutsch über seinen Konzern zu sprechen. Seit Jahren wird er dafür von der
85 Universität Hohenheim als Vorbild unter allen Dax-Konzernchefs ausgezeichnet.
Warum ist Höttges das wichtig? Henrik Schmitz, verantwortlich für Kommunikation bei der
Telekom, sagt: „Wirklich kompetent ist ja der, der in der Lage ist, einen komplexen Sachverhalt
so zu erklären, dass ihn viele verstehen.“ Denn Kompetenz drücke sich „gerade nicht dadurch
aus, dass ich Fachchinesisch raushaue“.
90 Ganz leicht ist es aber nicht, dem Kauderwelsch-Virus zu trotzen. Eine Kollegin gab Schmitz
kürzlich einen dezenten Hinweis: Er sage ständig „am Ende des Tages“.
1 IDS: Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) ist eine wissenschaftliche Einrichtung zur Dokumentation und Erforschung der deutschen Sprache in Gegenwart und neuerer Geschichte.
2 Evergreens: hier: Ausdrücke, die seit langer Zeit im Sprachgebrauch häufig verwendet werden.
Munsberg, Hendrik (02.02.2021): Heute schon „gepitcht“?
<https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sprache-anglizismen-unternehmen-1.5190067> 29.03.2022
Hendrik Munsberg (*1961) ist Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung.
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
1.
Analysieren Sie den Text „Heute schon,gepitcht‘?“ von Hendrik Munsberg. Gehen Sie dabei auf den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung und die Intention ein.
ca. 70 %
Aufgabe 2 - Erörterung pragmatischer Texte
Aufgabenstellung
Material
Hendrik Munsberg: Heute schon „gepitcht“? (2021)
VW-Chef Herbert Diess hat das Auto neu erfunden. Damit das auch jeder merkt, nennt er
Autos jetzt nicht mehr „Autos“, sondern „Mobile Devices“. Allerdings bleibt da für Diess, wie er
selber sagt, noch eine „Challenge“: VW muss die Probleme mit Software und Elektronik in den
Griff bekommen.
5 Selbstverständlich steht auch Oliver Bäte, der Vorstandsvorsitzende des Allianz-Konzerns, an
der Spitze des Fortschritts. Neuerdings ist er strikt darauf bedacht, dass in seinem global
operierenden Unternehmen „Produkte und Prozesse“ nicht nur „einfach und digital“ sind.
Sondern – wichtig, wichtig – auch „skalierbar“.
Klar, dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Wettstreit um Deutungshoheit ganz vorne
10 mitmischt. Jetzt, in der Corona-Krise, achtet Sewing akribisch auf die Bedürfnisse seiner
Kunden, die wegen Infektionsgefahr ihre Finanzgeschäfte daheim am Computer oder per
Tablet erledigen. Die Deutsche Bank schloss deshalb deutlich mehr Filialen als geplant. Nutzt
Sewing etwa die Pandemie aus, um Kosten zu drücken? Mitnichten! Seine Erklärung: „Wir
reagieren agil“.
15 Agil, skalierbar, Mobile Devices und jeden Tag eine neue Challenge! Hallo? Versteht das da
draußen noch jemand? Wohl kaum, aber meist ist das auch gar nicht die Absicht, schon eher
geht es um verbales Blendwerk. Immer neue Modewörter geistern durch die deutsche
Wirtschaft – vorzugsweise sind es Anglizismen, Anleihen aus dem Anglo-Amerikanischen, der
weltweit dominierenden Wirtschaftssprache. Wer diesen Jargon benutzt, sagt der
20 Wirtschaftspsychologe Dieter Frey, „will vor allem als modern und fortschrittlich gelten und
dadurch anderen imponieren“. Gelingt das, so dauert es nicht lange, bis sich immer mehr
Nachahmer finden.
Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) 1 hat für die Süddeutsche Zeitung
erkundet, welche Begriffe und Phrasen seit 1990 in Firmen Karriere gemacht haben. Überaus
25 populär sind demnach „Performance“ und „Portfolio“ […], ähnlich beliebt ist das Verb
„fokussieren“. Als Evergreens 2 erweisen sich aber auch Redensarten und Plattitüden wie „gut
aufgestellt“, „Sinn machen“ und – ebenfalls hitverdächtig – „am Ende des Tages“.
Die Analyse des IDS stützt sich auf eine Auswertung deutschsprachiger Zeitungen und
Zeitschriften in den Ressorts „Wirtschaft“, „Finanzen“ und „Beruf“. […] Deutsche-Bank-Chef
30 Sewing und Allianz-Lenker Bäte liegen also voll im Trend.
Über Jahre und Jahrzehnte hinweg bilden sich immer neue Sedimentschichten aus Wörtern
und Phrasen, die zu einer Art Wirtschaftskauderwelsch verschmelzen. Heute wird in den
Firmen des Landes „supported“, „committed“ und „gepitcht“, was das Zeug hält. Na klar, die
deutschen Entsprechungen – unterstützen, vereinbaren und auswählen – klingen irgendwie
35 altbacken. Und was braucht heute jede Firma, die sich als „nachhaltig“ präsentieren will?
Logisch, ein „Purpose“ muss her! Ein irgendwie höherer Sinn und Zweck, der nach mehr klingt
als nach schnöder Gewinnmaximierung.
Fast noch wichtiger sind für moderne Manager aber die pseudo-philosophischen Zutaten.
Beinahe jeder Arbeitnehmer in Deutschland bekommt es heute mit Vorgesetzten zu tun, die
40 ihrem Redefluss in penetranter Häufigkeit ein „am Ende des Tages“ beimischen. Oder die
daran erinnern, dass ein Projekt oder Geschäft „Sinn machen“ muss, worin das englische „to
make sense“ durchscheint, im Deutschen müsste es aber eigentlich „Sinn ergeben“ oder
„sinnvoll“ heißen.
Und wozu dient solches Geschwätz? Offenkundig um klarzumachen, dass zumindest einer in
45 der Firma zu Recht höher dafür bezahlt wird, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
Und je mehr Mitarbeiter das glauben, desto mehr sind bereit, die Phrasen nachzuplappern,
sogar in der Freizeit, unter Freunden und in der Familie. Das Unternehmens-Kauderwelsch
wird so zum Fortschrittsbekenntnis.
Beste Chancen, Klassiker zu werden, haben auch Anleihen beim Sport: „Wir sind gut
50 aufgestellt“, das gehört zum Standardrepertoire von Topmanagern und Firmenchefs. Die
Politik kopiert das gern: Längst sind auch Union, SPD, Grüne und FDP „gut aufgestellt“,
jedenfalls behauptet das ihr Führungspersonal unablässig.
IDS-Forscher Marc Kupietz betrachtet den Wandel der Sprache im Wirtschaftsleben nüchtern.
Manche Begriffe, sagt er, seien „sogar nützlich, um Phänomene besser zu beschreiben. Die
55 werden dann ausprobiert“. Und entpuppen sich „als erfolgreiche Neuwortschöpfungen“ – oder
enden als „Kurzzeitwörter“. „Skalierbar“ bezeichnet zum Beispiel einen ökonomischen
Sachverhalt, der sich im Deutschen nicht mit einem einzigen Begriff erklären lässt […].
Andererseits: Wer will oder muss wirklich wissen, was das ist?
Angefacht wird die Wortschöpfung durch Leute, die damit Geld verdienen: Modewörter wie
60 Purpose, sagt Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaft an der
Universität Hohenheim, „kommen von den Unternehmens- und Managementberatern, die sich
so profilieren wollen. Sobald bestimmte Begriffe abgenutzt sind, sucht man nach der nächsten
Sau, die dann durchs Dorf getrieben wird.“ Am Inhalt, so Brettschneider, ändere sich dadurch
nichts, „aber es klingt irgendwie gewichtiger“.
65 Viele Manager nutzen die Sprachkreationen gern für Umdeutungen oder Schönfärbereien.
Wer würde heute zugeben, dass seine Firma „Probleme“ hat oder in „Schwierigkeiten“ steckt?
Das klänge ja wie das Eingeständnis, die Lösung liege noch im Nebel. Darum sagt man lieber:
„Wir haben da ein Thema.“ Darin schwingt schon mit – „Haken dran, erledigt“. Das wohl
prominenteste Beispiel kommt aus Wolfsburg: In der Diktion des VW-Topmanagements gab
70 es keinen „Abgas-Skandal“, sondern nur eine „Dieselthematik“.
Und warum nennt VW-Chef Diess Autos, die sein Konzern produziert, nicht mehr Autos,
sondern Mobile Devices? Na klar, das soll nach innovativen iPhones klingen, wie bei Apple-
Chef Tim Cook. Verbindet Diess damit womöglich auch eine Verdrängungsabsicht? Tesla-
Chef Elon Musk jedenfalls nennt seine Elektroflitzer schlicht cars – und nicht mobile devices.
75 „Solche Umdeutung“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, habe Musk „auch gar nicht
nötig“, schließlich gelte „Tesla, anders als VW, in puncto Software weltweit als Vorbild“.
Aber gibt es unter den Spitzenmanagern keinen, der sich dem Kauderwelsch-Trend
widersetzt? Doch, einer weigert sich, die Unternehmenswelt mit immer neuen Anglizismen
anzureichern: Telekom-Chef Tim Höttges. „Natürlich“, sagte er, „könnte ich durch Sprache
80 Hierarchie oder Macht ausdrücken. Aber Kommunikation auf Augenhöhe erfordert
Einfachheit.“ Höttges vermeidet bei öffentlichen Auftritten tunlichst Anglizismen und
Fremdwörter. Statt „Cashflow“ oder „Ebitda“ sagt er „frei verfügbare Mittel“ und „operatives
Ergebnis“. Auf Hauptversammlungen schafft es Höttges, länger als eine halbe Stunde in leicht
verständlichem Deutsch über seinen Konzern zu sprechen. Seit Jahren wird er dafür von der
85 Universität Hohenheim als Vorbild unter allen Dax-Konzernchefs ausgezeichnet.
Warum ist Höttges das wichtig? Henrik Schmitz, verantwortlich für Kommunikation bei der
Telekom, sagt: „Wirklich kompetent ist ja der, der in der Lage ist, einen komplexen Sachverhalt
so zu erklären, dass ihn viele verstehen.“ Denn Kompetenz drücke sich „gerade nicht dadurch
aus, dass ich Fachchinesisch raushaue“.
90 Ganz leicht ist es aber nicht, dem Kauderwelsch-Virus zu trotzen. Eine Kollegin gab Schmitz
kürzlich einen dezenten Hinweis: Er sage ständig „am Ende des Tages“.
1 IDS: Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) ist eine wissenschaftliche Einrichtung zur Dokumentation und Erforschung der deutschen Sprache in Gegenwart und neuerer Geschichte.
2 Evergreens: hier: Ausdrücke, die seit langer Zeit im Sprachgebrauch häufig verwendet werden.
Munsberg, Hendrik (02.02.2021): Heute schon „gepitcht“?
<https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sprache-anglizismen-unternehmen-1.5190067> 29.03.2022
Hendrik Munsberg (*1961) ist Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung.
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
2.
Nehmen Sie Stellung zur Position des Autors. Berücksichtigen Sie dabei Ihre Kenntnisse zur Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen.
ca. 30 %
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Übe ein Thema mit gemischten Aufgaben aus den Prüfungen und dem IQB-Pool aller Jahre.
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