Aufgabe Vorschlag BC - 1 - Formeln und Funktionen · Abitur Hessen Datenverarbeitung GK 2022
Thema: Tabellenkalkulation: Formeln und Funktionen · Aus der Prüfung GK (2022)
Aufgabenstellung
Auftragsbezogene Anwendungsentwicklung in der Applications Ltd.
Ihnen wird zur Bearbeitung der Aufgaben folgende Datei zur Verfügung gestellt:
Aufgabe 1: LA22-DVWI-GK-BC-PRFL-1.xlsm
Grundlage der Korrektur und Bewertung sind grundsätzlich die von Ihnen gespeicherten Dateien. Sie haben selbstständig für regelmäßige Zwischenspeicherungen zu sorgen, dabei haben Sie die organisatorischen Regelungen am Prüfungsort zum Erstellen und Verwenden von Datei-Ablagestrukturen zu beachten.
Aufgabenstellung und Ausgangssituation
Sie arbeiten in der Applications Ltd. Kerngeschäft ist die auftragsbezogene Entwicklung von Spezialanwendungen.
In Ihrem Unternehmen gilt:
Grundlegende Prinzipien der Arbeit mit der Tabellenkalkulation sind strukturierte Aufteilung der Inhalte über mehrere Tabellenblätter, der Einsatz von Formeln mit Funktionen und Zellbezügen sowie zielgerichtete Formatierung der Inhalte.
Grundlegende Prinzipien der Arbeitsweise beim Programmieren sind: übersichtlich gestaltete Benutzeroberflächen, nachvollziehbare Bezeichner, zweckmäßige Auswahl von Strukturen und Datentypen sowie strukturierter Quellcode mit Kommentierungen.
Das Anwenden dieser Prinzipien bildet einen wesentlichen Bewertungsbestandteil Ihrer Arbeitsergebnisse.
1. Tabellenkalkulation: Kommanditgesellschaft - Gesellschafter und Gewinnverteilung
Ihre Kundin Anne Neumann ist Lehrerin für Wirtschaftslehre und Deutsch. Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Corona-Krise möchte Frau Neumann interaktive Simulationen zur Veranschaulichung komplexer Sachverhalte im Wirtschaftslehre-Unterricht einsetzen. Das Warten auf einen Platz in einer Fortbildung in Tabellenkalkulation scheint ihr zu lange, um aktuelle Bedarfe für ihren Unterricht abzudecken. Daher hat Frau Neumann Ihnen nach einem Beratungsgespräch einen Entwicklungsauftrag erteilt.
Zur Klärung des Sachverhaltes hat Ihnen Frau Neumann zu Beginn des Gesprächs allgemeine Informationen über die Kommanditgesellschaft (KG) ausgehändigt (Material 1). Zu Beginn des Gesprächs haben Sie aus Hinweisen von Frau Neumann einen Prototyp für die Eingabe der Ausgangsdaten entwickelt (siehe Ausgangsdatei LA22-DVWI-GK-BC-PRFL-1.xlsm). Im weiteren Gesprächsverlauf haben Sie anhand dieser Angaben gemeinsam ein zweiteiliges Lastenheft mit Anforderungen an die Anwendung definiert (Material 2, Material 3). In den Materialien Material 4 bis Material 7 hat Frau Neumann Ihnen beispielhafte Skizzen zu der von Ihr gewünschten Funktionalität als Muster mitgegeben.
Material 1: Sachinformation Kommanditgesellschaft (KG)
Eine Kommanditgesellschaft (KG) ist eine Personengesellschaft – mehrere Personen schließen zur Gründung der KG einen Gesellschaftsvertrag.
Der Gesellschaftsvertrag regelt unter anderem Fragen der Kapitaleinlagen, Geschäftsführung, Haftung und Gewinnverteilung.
Bei der Haftung unterscheidet die KG zwei Arten von Gesellschaftern, Komplementäre und Kommanditisten:
Kommanditisten: haften nur mit der von ihnen getätigten Kapitaleinlage
Komplementäre: haften mit der von ihnen getätigten Kapitaleinlage und zusätzlich mit ihrem kompletten Privatvermögen
Material 2: Lastenheft Teil 1.1 – Gesellschaftertableau der KG
Anforderung 1.1.1 – Detailprüfregeln auswerten:
Eine KG besteht aus mindestens zwei Gesellschaftern.
Mindestens ein Gesellschafter wirkt in der Geschäftsführung mit.
Es gibt genau einen Komplementär.
Der Komplementär ist zugleich in der Geschäftsführung tätig.
Anforderung 1.1.2 – Gesamtprüfung durchführen:
Die Gesamtprüfung ist nur dann erfolgreich, wenn alle Detailprüfungen zutreffen.
Die unterschiedlichen Ergebnisse der Gesamtprüfung sind automatisch geeignet darzustellen und visuell gut unterscheidbar zu formatieren.
Ergänzend ist in einer Zelle ein abschließender Informationssatz zur Gesellschafterstruktur anzugeben, der die Anzahl der Gesellschafter und Geschäftsführenden eindeutig benennt oder allgemein auf Fehler in der Gesellschafterstruktur hinweist.
Material 3: Lastenheft Teil 1.2 – Wertübernahme, Gewinnverteilung und Ausschüttung
Anforderung 1.2.1 – Wertübernahme
Ist die Gesamtprüfung im Tabellenblatt „Gesellschafter“ nicht erfolgreich, soll neben der Überschrift im Tabellenblatt „Verteilung“ ein geeigneter Hinweis erscheinen.
Die Namen der Gesellschafter A bis F sind nur dann ins Tabellenblatt „Verteilung“ zu übernehmen, falls ihre Kapitaleinlage größer als 0 € ist.
Die Informationsübernahme zur Ausübung von Tätigkeiten als Geschäftsführung oder in der Komplementärrolle erfolgt ebenfalls nur bei Gesellschaftern, deren Kapital größer als 0 € ist.
Folgende Werte sind beispielhaft einzutragen: Der realisierte Gewinn:
Der angestrebte Zinssatz zur Verzinsung des Gesamtkapitals:
Die Vorabauszahlung aus dem realisierten Gewinn für das Haftungsrisiko in der Komplementärrolle:
Die gesamte Vorabauszahlung aus dem realisierten Gewinn für die Mitwirkung in der Geschäftsführung:
Folgende Werte sind über Formeln zu ermitteln: Der mindestens erforderliche Gewinn um die angestrebte Kapitalverzinsung inklusive der Vorabauszahlungen realisieren zu können.
Der maximal mögliche Zinssatz zur Verzinsung des Gesamtkapitals beim vorliegenden Gewinn, wenn der Gewinn nach Abzug beider Vorabauszahlungen alleine zur Kapitalverzinsung verwendet wird.
Anforderung 1.2.2 – Gewinnverteilung und Ausschüttung:
Aus dem erzielten Gewinn erhält der Komplementär vorab 20.000 € (VorabKOMP).
Alle Mitwirkenden in der Geschäftsführung teilen sich den für die Geschäftsführung festgelegten Betrag von 30.000 € (VorabGF) gleichmäßig. Dieser Betrag ist ebenfalls vorab aus dem Gewinn auszuschütten.
Der dann verbleibende Rest-Gewinn wird wie folgt zur Kapitalverzinsung verwendet: Ein positiver Betrag wird zur Verzinsung des jeweils eingesetzten Kapitals verwendet.
Die Verzinsung erfolgt maximal mit dem vereinbarten und angestrebten Zinssatz von 3%.
Reicht der verfügbare Betrag hierzu nicht aus, ist ein entsprechend niedrigerer Zinssatz zu wählen, bei dem der verfügbare Betrag komplett zur Verzinsung aufgeteilt wird.
Ist der Betrag negativ, erfolgt keine Verzinsung.
Der dann ggf. noch vorhandene Restbetrag wird gleichmäßig nach Köpfen zwischen den Gesellschaftern verteilt (gilt auch für negative Restbeträge).
Aus den vorigen Werten errechnet sich für jeden Gesellschafter die jährliche Gesamtausschüttung.
Material 4: Muster für Tabellenblatt „Gesellschafter“ – Datensituation erfolgreiche Prüfung
Material 5: Muster für Tabellenblatt „Gesellschafter“ – Datensituation Fehler bei Prüfung
Material 6: Tabellenblatt Verteilung – bei Datensituation Prüfung erfolgreich und ausreichendem Gewinn für Kapitalverzinsung und Restverteilung
Material 7: Tabellenblatt Verteilung – bei Datensituation Prüfung mit Fehlern bzw. bei nicht ausreichendem Gewinn für Kapitalverzinsung
1.1 Auswertung des Gesellschafter-Tableaus
1.1.1
Prüfen Sie im Tabellenblatt „Gesellschafter“ mit geeigneten Formeln und Funktionen die Einhaltung der Detail-Prüfregeln gemäß Material 2, Anforderung 1.1.1 und geben Sie die Prüfungsergebnisse aus. [10 BE]
1.1.2
Erstellen und entwickeln Sie Formeln, mit denen Sie die Detail-Prüfungen aus Aufgabe 1.1.1 so zu einer Gesamtprüfung zusammenfassen, dass gemäß Material 2 die Anforderungen 1.1.2 erfüllt werden (Gesamtprüfung, automatische Kennzeichnung, abschließender Infosatz). [10 BE]
1.2 Wertübernahme, Gewinnverteilung und Ausschüttung
1.2.1
Übernehmen Sie die Werte aus dem Tabellenblatt „Gesellschafter“ in ein neues Tabellenblatt „Verteilung“ und entwickeln Sie dieses unter Beachtung der Bedingungen weiter, die in Material 3, Anforderung 1.2.1 formuliert sind (Hinweis bei fehlerhafter Gesamtprüfung, bedingte Übernahme von Namen und Rollen nur bei Kapital > 0 €, Vorgabewerte und Ermittlung von erforderlichem Gewinn und maximal möglichem Zinssatz). [10 BE]
1.2.2
Erstellen und entwickeln Sie Formeln, um die jährliche Ausschüttung für jeden Gesellschafter gemäß Material 3, Anforderung 1.2.2 in der dargestellten Reihenfolge zu ermitteln und anzuzeigen (Vorabauszahlung Komplementär, Vorabauszahlung Geschäftsführung, Verzinsung, Restverteilung nach Köpfen, Gesamtausschüttung). [13 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.1.1 Prüfen Sie im Tabellenblatt „Gesellschafter“ mit geeigneten Formeln und Funktionen die Einhaltung der Detail-Prüfregeln gemäß Material 2, Anforderung 1.1.1 und geben Sie die Prüfungsergebnisse aus.
Lösung: 1. Mindestens 2 Gesellschafter: `=ZÄHLENWENN(C4:C9;WAHR)>=2` 2. Mindestens 1 Geschäftsführer unter den Gesellschaftern: `=ZÄHLENWENNS(C4:C9;WAHR;D4:D9;WAHR)>=1` 3. Genau 1 Komplementär: `=ZÄHLENWENN(E4:E9;WAHR)=1` 4. Komplementär ist zugleich Gesellschafter und Geschäftsführer: Prüfung der entsprechenden Zeile, z. B. mittels `=INDEX(C4:C9;VERGLEICH(WAHR;E4:E9;0))*INDEX(D4:D9;VERGLEICH(WAHR;E4:E9;0))` bzw. Hilfsspalte `=UND(C4;D4;E4)`.
1.1.2 Erstellen und entwickeln Sie Formeln, mit denen Sie die Detail-Prüfungen aus Aufgabe 1.1.1 so zu einer Gesamtprüfung zusammenfassen, dass gemäß Material 2 die Anforderungen 1.1.2 erfüllt werden.
Lösung: Gesamtprüfung: `=UND(F14:F17)` bzw. `=WENN(UND(F14;F15;F16;F17);"WAHR";"FALSCH")` Automatische Kennzeichnung: Bedingte Formatierung (z. B. grün bei WAHR, rot bei FALSCH). Infosatz: `="Die KG umfasst " & C11 & " Gesellschafter, darunter Personen mit faktischer GF-Tätigkeit: " & D11 & "; darunter der Komplementär."` (bzw. bei Fehler: `"Zusammensetzung/Eintragung fehlerhaft!!"`).
1.2.1 Übernehmen Sie die Werte aus dem Tabellenblatt „Gesellschafter“ in ein neues Tabellenblatt „Verteilung“ und entwickeln Sie dieses unter Beachtung der Bedingungen weiter, die in Material 3, Anforderung 1.2.1 formuliert sind.
Lösung: Hinweis bei fehlerhafter Gesamtprüfung: `=WENN(Gesellschafter!F19=FALSCH;"Datenübernahme aus Blatt Gesellschafter u.U. problematisch!";"")` Bedingte Übernahme Namen und Daten: `=WENN(Gesellschafter!B4>0;Gesellschafter!A4;"")` `=WENN(Gesellschafter!B4>0;Gesellschafter!D4;FALSCH)` Eintragung Vorgabewerte (100.000 €, 3 %, 20.000 €, 30.000 €). Erforderlicher Gewinn: `=F3+G3+B11*I17` (Vorab-Auszahlungen + Gesamtkapital * angestrebter Zinssatz, z. B. 20.000 + 30.000 + 1.400.000 * 3 % = 92.000 €). Maximal möglicher Zinssatz: `=(I16-F3-G3)/B11`.
1.2.2 Erstellen und entwickeln Sie Formeln, um die jährliche Ausschüttung für jeden Gesellschafter gemäß Material 3, Anforderung 1.2.2 in der dargestellten Reihenfolge zu ermitteln und anzuzeigen.
Lösung: Vorab-Betrag Komplementär: `=WENN(E5=WAHR;3;0)` Vorab-Betrag Geschäftsführung: `=WENN(D5=WAHR;3/12;0)` Verzinsung: `=WENN(16-3-3<=0; 0; WENN(16-3-3 >= 11*17; B5*17; B5*((16-3-3)/11)))` Rest nach Köpfen: `=WENN(B5>0; (16-SUMME(11:11))/12; 0)` Gesamtausschüttung: `=SUMME(F5:I5)`
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