Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 (1.3, 1.4.2) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022
Thema: Genregulation bei Pro- und Eukaryoten · Aus der Prüfung LK (2022)
Aufgabenstellung
Die Entdeckung des „Denisova-Menschen“ und sein Erbe im heutigen Menschen, Diabetes mellitus Syndrom
Verwandtschaftsbeziehungen können mittels DNA-Sequenzierung und dem Vergleich mit bereits entschlüsseltem Erbmaterial bewertet werden. Je ähnlicher molekulare Strukturen von Lebewesen sind, desto enger sind diese miteinander verwandt. Das Genom des modernen Menschen wurde in jüngster Zeit mit dem des kürzlich entdeckten „Denisova-Menschen“ verglichen. DNA-Analysen ergaben, dass Spuren dieses Frühmenschen noch heute im Erbgut des modernen Menschen zu finden sind. So entdeckte man zum Beispiel bei den Tibetern eine einzigartige Variante des Gens „Endothelial PAS 1“ ( EPAS 1). Diese als EPAS 1a bezeichnete Variante wurde in keiner weiteren Gruppe des modernen Menschen gefunden, wohl aber im Erbgut des urzeitlichen Denisova-Menschen.
Das Gen EPAS 1 besitzen alle modernen Menschen. Es führt zu der so genannten „Höhenanpassung“. Bei einem Aufenthalt in großen Höhen reagiert der menschliche Körper mit einer Steigerung der Erythrozytenbildung bis zu etwa 20%. Bei den Tibetern, die die Gen-Variante EPAS 1a besitzen, tritt diese Anpassung nicht auf. Sie besitzen eine ähnlich hohe Erythrozytenzahl wie in Tiefebenen lebende Menschen. Die Anzahl an Erythrozyten ist ein Maß für den Sauerstoffgehalt im Blut, da dieser, an die Erythrozyten gebunden, im Blut transportiert wird. Endgültig ist noch nicht geklärt, wieso die Tibeter einen Vorteil durch das EPAS 1a -Gen haben. Man vermutet aber, dass die Affinität des Sauerstoffs zum Edukt bei Stoffwechselschritten erhöht ist. Stoffwechselschritte, an denen Sauerstoff beteiligt ist, können so verstärkt ablaufen.
geändert nach: http://www.genderwoche.de/de/45-epas1 (abgerufen am 01.05.2019)
Material 1: Textbausteine
Durchführen einer Gelelektrophorese und Bestrahlung mit Laser · Denaturierung der DNA in Einzelstränge · Mischen mit Primern, DNA-Polymerase, dNTPs und fluoreszenzmarkierten ddNTPs
Einbau der ddNTPs führt zum Kettenabbruch · Bestimmung der Gesamtsequenz der DNA durch Computerprogramm · Gemisch aus unterschiedlich langen DNA-Fragmenten
Synthese eines komplementären DNA-Strangs
Material 2: Höhenanpassung durch das EPAS 1 -Gen
Hinweis: HIF-2α (hypoxia-inducible factor 2-alpha); HIF-2β (hypoxia-inducible factor 2-beta); ARNT-2-Gen (aryl-hydrocarbon receptor nuclear translocator 2); normoxische Bedingungen = ausreichende und somit normale Versorgung mit Sauerstoff.
Die Genprodukte der aktivierten Gene beeinflussen die Erythrozyten- und Hämoglobinbildung positiv.
geändert nach: http://www.genderwoche.de/de/45-epas1-das-hochlandgen (abgerufen am 02.04.2019)
Material 3: DNA-Ausschnitte des „normalen“ EPAS 1 -Gens und der Genvariante der Tibeter ( EPAS-1a)
DNA-Ausschnitt aus dem codogenen Strang des „normalen“ EPAS 1 -Gens:
... 3'–GAG TAG CTC GGA GAG CCC CGG AGC TGC AAT–5'...
DNA-Ausschnitt aus dem codogenen Strang des EPAS 1a -Gens:
... 3'–GAG TAG CTC TGA GAG CCC CGG AGC TGC AAT–5'...
Material 4: Codesonne
geändert nach: https://www.abiweb.de/assets/courses/media/screen-shot-2013-01-13-at-09.11.38-print.png (abgerufen am 28.03.2021)
1.3
Das Gen EPAS 1 codiert für einen Transkriptionsfaktor „hypoxia-inducible factor 2-alpha“ (HIF-2α), der die Erythrozytenbildung in Abhängigkeit vom Sauerstoffgehalt steuert. Beim Aufenthalt in großen Höhen, also unter Sauerstoffmangel (hypoxische Bedingungen), sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut.
Erklären Sie die „Höhenanpassung“ durch das EPAS 1 -Gen (Material 2) und leiten Sie die Folgen für das Herz-Kreislaufsystem des menschlichen Körpers ab. [9 BE]
1.4.2
Zeigen Sie unter Einbeziehung von Material 2 den veränderten Gen-Regulationsmechanismus bei Menschen mit EPAS 1a -Variante auf und erklären Sie diesen. [7 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.3 Erklären Sie die „Höhenanpassung“ durch das EPAS 1-Gen (Material 2) und leiten Sie die Folgen für das Herz-Kreislaufsystem des menschlichen Körpers ab.
Lösung: Das Gen EPAS 1 ist sowohl unter normoxischen als auch unter hypoxischen Bedingungen aktiv. Es codiert für das Protein HIF-2α. - Normoxische Bedingungen: Bei Anwesenheit von O₂ sind abbauende Enzyme aktiv, wodurch HIF-2α abgebaut wird. - Hypoxische Bedingungen: HIF-2α bindet an den Faktor HIF-2β. Der entstandene Komplex fungiert als Transkriptionsfaktor und aktiviert Gene, die für Proteine/Enzyme zur Bildung von Hämoglobin und Erythrozyten notwendig sind. Folgen für das Herz-Kreislaufsystem: Eine gesteigerte Bildung von Erythrozyten führt dazu, dass mehr Sauerstoff im Körper transportiert werden kann und der Sauerstoffmangel ausgeglichen wird. Da das Blut dadurch jedoch mehr Blutzellen enthält, wird es dickflüssiger (höhere Viskosität), was eine höhere Belastung für das Herz-Kreislauf-System darstellen kann.
1.4.2 Zeigen Sie unter Einbeziehung von Material 2 den veränderten Gen-Regulationsmechanismus bei Menschen mit EPAS 1a-Variante auf und erklären Sie diesen.
Lösung: Die Genvariante EPAS 1a ist ebenfalls unter normoxischen und hypoxischen Bedingungen aktiv. Durch die Mutation wird die räumliche Struktur des Transkriptionsfaktors HIF-2α verändert: - HIF-2α kann dadurch gegebenenfalls schlechter an HIF-2β binden, wodurch die Transkription von Genen für die Erythrozytenbildung in geringerem Umfang aktiviert wird. Unter hypoxischen Bedingungen findet somit eine geringere Erythrozytensynthese statt als bei Trägern des normalen EPAS 1-Gens. - Alternativ bzw. zusätzlich: Da HIF-2α eine veränderte Affinität aufweist (bzw. Sauerstoff mit höherer Affinität gebunden wird), kann der abbauende Stoffwechselweg von HIF-2α beschleunigt ablaufen, sodass HIF-2α vermehrt zerstört wird und weniger HIF-2α/HIF-2β-Komplexe gebildet werden. Entsprechend werden Gene für die Erythrozytenbildung schwächer aktiviert.
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