Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 (2.4) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Thema: Enzymkinetik und enzymologische Messverfahren · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Wasserstoffperoxid (H2O2\text{H}_2\text{O}_2) ist ein starkes Zellgift. Im Körper wird es schnell abgebaut, wenn es bei Stoffwechselprozessen entsteht.

In Material 5 werden drei Experimente zur Zersetzung von Wasserstoffperoxid beschrieben.

Material 5

Versuche mit Wasserstoffperoxid

In Vorratsbehältern kann man eine wässrige Lösung von Wasserstoffperoxid bei Raumtemperatur monatelang aufbewahren.

Erhitzt man eine Wasserstoffperoxidlösung, so zerfällt H2O2\text{H}_2\text{O}_2 in Sauerstoff und Wasser; dabei wird Energie freigesetzt. Die Reaktionsgleichung lautet: 2 H2O2→O2+2 H2O2\ \text{H}_2\text{O}_2 \rightarrow \text{O}_2 + 2\ \text{H}_2\text{O}.

Dieselbe Reaktion läuft auch bei Raumtemperatur ab, wenn man zur Wasserstoffperoxidlösung eine Messerspitze Braunstein (MnO2\text{MnO}_2) zugibt. Braunstein liegt nach der Reaktion unverändert vor.

Übergießt man zerkleinertes Lebergewebe (Katalasepräparat) bei Raumtemperatur mit Wasserstoffperoxidlösung, so zerfällt das Wasserstoffperoxid unter starkem Aufschäumen.

Material 6

Katalaseaktivität in Abhängigkeit von der H2O2\text{H}_2\text{O}_2-Konzentration

g H2O2\text{g}\,\text{H}_2\text{O}_2 pro 100 ml100\,\text{ml} Reaktionslösung · ml O2\text{ml}\,\text{O}_2-Entwicklung in 5 min5\,\text{min}

1 · 3,1

2 · 4,9

3 · 6,0

4 · 6,8

5 · 7,3

6 · 7,8

7 · 8,1

8 · 8,2

9 · 8,2

geändert nach: Andrea Becker et. al.: Natura Biologie für Gymnasien, Stuttgart 2012, S. 63.

Material 7

KMK_\text{M}-Werte zweier Enzyme

geändert nach: https://www.chids.de/dachs/wiss_hausarbeiten/BiochemieBiotechnologie_Weide.pdf (abgerufen am 20.09.2021).

2.4.1

Damit zwei Moleküle A und B zu AB werden, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

A und B müssen vorhanden sein. A und B müssen zusammenstoßen und beim Zusammenstoß muss die für die Reaktion notwendige Aktivierungsenergie vorhanden sein.

Begründen Sie mithilfe dieser Voraussetzungen die Aussage „Enzym- und Substratkonzentration bestimmen die Reaktionsgeschwindigkeit“.

[6 BE]

2.4.2

Setzen Sie die Werte aus der Tabelle (Material 6) in eine Grafik um und beschreiben Sie diese.

Erläutern Sie auch die Folgen, die eine weitere starke Erhöhung der Substratkonzentration hätte.

[12 BE]

2.4.3

Material 7 gibt die Michaelis-Menten-Konstanten (KMK_\mathrm{M}) für die Enzyme Katalase und Pyruvat-Carboxylase an.

Geben Sie eine Definition für KMK_\mathrm{M} an und zeigen Sie die Aussagen auf, die mithilfe der KMK_\mathrm{M} aus der Tabelle hinsichtlich der enzymkatalysierten Reaktionen getroffen werden können.

[8 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 (2.4) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.4.1 Begründen Sie mithilfe dieser Voraussetzungen die Aussage „Enzym- und Substratkonzentration bestimmen die Reaktionsgeschwindigkeit“.

Lösung: Mit dem Buchstaben A ist das Substrat, mit B das Enzym gemeint. Um einen Enzym-Substrat-Komplex bilden zu können, müssen Enzym und Substrat in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und mit ausreichender Energie zusammenstoßen. Eine hohe Substratkonzentration bedeutet eine große Anzahl von Substratteilchen. Erhöht man die Menge der Substratmoleküle, kommt es zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass sich Substrat- und Enzymmoleküle treffen und somit mehr Enzym-Substrat-Komplexe entstehen. Folglich beschleunigt sich die Reaktion. Auch wenn die Anzahl der Enzymmoleküle steigt, wird die Reaktion schneller. Wird die Konzentration der Substrat- und Enzymmoleküle gleichzeitig erhöht, steigt die Geschwindigkeit der Reaktion am schnellsten. Die Konzentration der Stoffe ändert nichts an der für die Reaktion notwendigen Energie.

2.4.2 Setzen Sie die Werte aus der Tabelle (Material 6) in eine Grafik um

Lösung: Grafische Darstellung der Aktivität als O2\mathrm{O_2}-Entwicklung ( ml/5 min\,\mathrm{ml/5\,min}) auf der y-Achse gegen die Konzentration von H2O2\mathrm{H_2O_2} (g/100 ml\mathrm{g/100\,ml}) auf der x-Achse. Typische Sättigungskurve: Zunächst steiler Anstieg (z. B. bei 3 g/100 ml3\,\mathrm{g/100\,ml} ca. 6,0 ml/5 min6{,}0\,\mathrm{ml/5\,min}), abflachender Verlauf bis zu einem Plateau bei ca. 8 g/100 ml8\,\mathrm{g/100\,ml} mit etwa 8,2 ml/5 min8{,}2\,\mathrm{ml/5\,min}.

2.4.2 beschreiben Sie diese. Erläutern Sie auch die Folgen, die eine weitere starke Erhöhung der Substratkonzentration hätte.

Lösung: Beschreiben: Die Grafik zeigt die Katalaseaktivität gemessen anhand der Sauerstoffentwicklung in Millilitern pro 5 min in Abhängigkeit von der Wasserstoffperoxidkonzentration in Gramm pro 100 ml. Zu sehen ist eine typische Sättigungskurve. Die Katalaseaktivität steigt zunächst schnell an und liegt bei einer Konzentration von 3 g/100 ml bei 6,0 ml/5 min O2-Entwicklung, um dann abzuflachen und bei einem Wert von 8 g/100 ml die Kapazitätsgrenze zu erreichen und in den Sättigungsbereich überzugehen. Erläutern: Bei sehr hohen Substratkonzentrationen tritt wieder eine Abnahme des Substratumsatzes ein (Substrathemmung), da die Substratmoleküle um das Bindungszentrum der Enzyme konkurrieren und sich dabei gegenseitig behindern.

2.4.3 Geben Sie eine Definition für KM an und zeigen Sie die Aussagen auf, die mithilfe der KM aus der Tabelle hinsichtlich der enzymkatalysierten Reaktionen getroffen werden können.

Lösung: Angeben: Die Michaelis-Menten-Konstante (KMK_\mathrm{M}) entspricht der Substratkonzentration bei halbmaximaler Reaktionsgeschwindigkeit. Aufzeigen: Da der KMK_\mathrm{M}-Wert die Substratkonzentration angibt, bei der die Hälfte der aktiven Zentren von Enzymen besetzt ist, kann man auf ein Maß für die Substratkonzentration, die für eine Katalyse erforderlich ist, schließen. Ist der KMK_\mathrm{M}-Wert niedrig, bedeutet dies, dass das Enzym nur eine geringe Substratkonzentration benötigt, um eine Reaktion katalysieren zu können aufgrund der Affinität. Ist der KMK_\mathrm{M}-Wert hingegen groß, benötigt das Enzym eine hohe Konzentration an Substrat um katalytisch tätig zu werden. Entsprechend der in der Tabelle aufgeführten Werte benötigt somit die Katalase eine viel höhere Substratkonzentration (25 000 μM25\,000\,\mu\mathrm{M}) als die Pyruvat-Carboxylase. Die Carboxylase zeigt, je nach Substrat, ganz unterschiedliche KMK_\mathrm{M}-Werte auf. Alle angegebenen Werte (1 0001\,000, 400400, 60 μM60\,\mu\mathrm{M}) sind jedoch deutlich niedriger als der KMK_\mathrm{M}-Wert der Katalase.

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