Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 (1.4) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Thema: Enzyme: Wirkungsweise, Einflussfaktoren und Regulation · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Die Bierhefe Saccharomyces cerevisiae ist ein einzelliger Pilz, der alkoholische Gärung betreiben kann.

Die Fähigkeit der Hefezellen Alkohol zu bilden wurde u.†a. von LOUIS PASTEUR im 19. Jh. beschrieben. Er beobachtete außerdem, dass die Hefen auch unter aeroben Bedingungen Stoffwechsel betrieben und sich stärker vermehrten als unter anaeroben Bedingungen. Daraus ergab sich, dass Hefen fakultative Anaerobier sind, die je nach Umweltbedingungen zwischen aerobem und anaerobem Stoffwechsel umschalten und ihren Energiebedarf wahlweise über die Zellatmung oder über die Gärung decken können. PASTEUR stellte zudem fest, dass bei Anwesenheit von Sauerstoff kaum noch Ethanol produziert, die alkoholische Gärung also gehemmt wird. Diese Unterdrückung der Gärung durch die Zellatmung wird als Pasteur-Effekt bezeichnet.

Material 1

Vergleichende Befunde zur Zellatmung und Gärung bei Hefezellen

Material 2

Regulation des Energiestoffwechsels in Abhängigkeit vom Sauerstoffangebot

Der Wechsel zwischen aerobem und anaerobem Glukoseabbau muss reguliert werden. Ein wichtiger Knotenpunkt für die Regulation ist z.†B. der Abbau von Pyruvat. Hefen besitzen dafür zwei verschiedene Enzyme. Bei Anwesenheit von Sauerstoff wird Pyruvat durch das Enzym Pyruvat-Dehydrogenase umgesetzt. Ist kein Sauerstoff vorhanden, wird Pyruvat durch ein anderes Enzym, die Pyruvat-Decarboxylase, umgesetzt. Im Vergleich zur Pyruvat-Dehydrogenase benötigt die Pyruvat-Decarboxylase eine wesentlich höhere Pyruvatkonzentration, um eine nennenswerte Enzymaktivität zu zeigen.

Material 3

Aktivität der Pyruvat-Dehydrogenase bei Abwesenheit von NADH/H+\text{NADH}/\text{H}^+

1.4 Die als Pasteur-Effekt bezeichnete Unterdrückung der Gärung wird durch allosterische Enzymregulation verursacht. Diese Fähigkeit ermöglicht den Hefen eine Angepasstheit an einen zeitweise sauerstoffarmen Lebensraum.

1.4.1

Beschreiben Sie die wesentlichen Aspekte der allosterischen Enzymregulation. [4 BE]

1.4.2

Erklären Sie den Regulationsmechanismus, der dem Pasteur-Effekt zugrunde liegt (Material 2). [8 BE]

1.4.3

Erläutern Sie die in Material 3 dargestellte Grafik und begründen Sie den Kurvenverlauf. [6 BE]

1.4.4

Skizzieren Sie eine Grafik analog zu Abbildung 2.1 für den Fall einer hohen NADH/H+\text{NADH/H}^+-Konzentration und begründen Sie den Kurvenverlauf. [6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 (1.4) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.4.1 Beschreiben Sie die wesentlichen Aspekte der allosterischen Enzymregulation.

Lösung: - Allosterisch regulierte Enzyme besitzen neben dem aktiven Zentrum noch mindestens ein weiteres Zentrum, das so genannte allosterische Zentrum. - Die Regulation erfolgt über die Bindung eines Effektors an das allosterische Zentrum des Enzyms, was eine Änderung der Raumstruktur bewirkt. - Ist der Effektor ein Aktivator, bewirkt die Raumstrukturänderung eine Steigerung der Enzymaktivität, handelt es sich um einen Inhibitor führt die Bindung zu einem Absinken der Enzymaktivität.

1.4.2 Erklären Sie den Regulationsmechanismus, der dem Pasteur-Effekt zugrunde liegt (Material 2).

Lösung: Bei Anwesenheit von Sauerstoff wird Pyruvat mithilfe des Co-Substrats NAD+\text{NAD}^+ durch die Pyruvat-Dehydrogenase abgebaut. Gerät die Hefe in einen Sauerstoffmangel, sinkt das NAD+\text{NAD}^+-Level und der Gehalt an NADH/H+\text{NADH/H}^+ steigt in der Zelle an. Dies ist dadurch zu erklären, dass die Elektronen der Atmungskette nicht länger auf Sauerstoff übertragen werden können und es zu einem „Elektronenstau“ in der Atmungskette kommt. Dadurch kann NADH/H+\text{NADH/H}^+ seine Elektronen nicht mehr an den Komplex I der Atmungskette abgeben und die Konzentration von NADH/H+\text{NADH/H}^+ steigt daher an. NADH/H+\text{NADH/H}^+ hemmt die Pyruvat-Dehydrogenase allosterisch, wodurch es zu einem Ansteigen der Pyruvatkonzentration in der Zelle kommt. Die höhere Pyruvatkonzentration führt zur vermehrten Bildung von Enzym-Substrat-Komplexen mit der Pyruvat-Decarboxylase und damit zur Gärung. Sobald wieder Sauerstoff verfügbar ist, wird NADH/H+\text{NADH/H}^+ über die Atmungskette wieder vermehrt zu NAD+\text{NAD}^+ oxidiert, so dass das NADH/H+\text{NADH/H}^+-Level in der Zelle wieder sinkt. Dadurch wird die Hemmung der Pyruvat-Dehydrogenase aufgehoben und das Pyruvat wird wieder vermehrt durch die Pyruvat-Dehydrogenase umgesetzt. Durch die niedrige Pyruvatkonzentration in der Zelle kann Pyruvat nicht mehr von der Pyruvat-Decarboxylase umgesetzt werden und der Gärungsstoffwechsel läuft nicht mehr ab.

1.4.3 Erläutern Sie die in Material 3 dargestellte Grafik und begründen Sie den Kurvenverlauf.

Lösung: Erläuterung: In Material 3 ist die Aktivität der Pyruvat-Dehydrogenase bei Abwesenheit von NADH/H+\text{NADH/H}^+ gezeigt. Dargestellt ist die Konzentration an gebildetem Acetyl-CoA pro Zeit in Abhängigkeit von der Pyruvatkonzentration. Nach einer kurzen Anlaufphase steigt mit steigender Pyruvatkonzentration auch die Menge an gebildetem Acetyl-CoA. Ab einer bestimmten Pyruvatkonzentration ist ein Sättigungswert erreicht und es kann, auch bei einem weiteren Anstieg der Pyruvatkonzentration, nicht mehr Acetyl-CoA hergestellt werden. Begründung: Das Enzym Pyruvat-Dehydrogenase ist bei Abwesenheit von NADH/H+\text{NADH/H}^+ aktiv bzw. nicht gehemmt, d.h. Pyruvat kann im aeroben Stoffwechsel weiter zu Acetyl-CoA umgesetzt werden. Dabei steigt die Umsetzung mit zunehmender Substratkonzentration sigmoidal an. Ab einer gewissen Substratkonzentration sind alle Enzyme voll ausgelastet und die Aktivität der Pyruvat-Dehydrogenase und damit die Konzentration an Produkt kann nicht weiter ansteigen. Daher bleibt die gebildete Acetyl-CoA-Menge pro Zeit ab dieser Pyruvatkonzentration konstant.

1.4.4 Begründen Sie den Kurvenverlauf (für den Fall einer hohen NADH/H+-Konzentration).

Lösung: NADH/H+\text{NADH/H}^+ hemmt die Pyruvat-Dehydrogenase und damit die Bildung von Acetyl-CoA. Es wird daher nur wenig oder kein Acetyl-CoA gebildet, unabhängig von der Pyruvatkonzentration.

1.4.4 Skizzieren Sie eine Grafik analog zu Abbildung 2.1 für den Fall einer hohen NADH/H+-Konzentration.

Lösung: Kurve verläuft nahezu flach auf der x-Achse bzw. auf einem sehr niedrigen Niveau knapp über der x-Achse, unabhängig von der Pyruvatkonzentration.

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Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 (2.1 - 2.3) · LK 2022 ›

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