Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 (1.1 - 1.3) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022
Thema: Energiestoffwechsel: Zellatmung und Gärung · Aus der Prüfung LK (2022)
Aufgabenstellung
Die Bierhefe Saccharomyces cerevisiae ist ein einzelliger Pilz, der alkoholische Gärung betreiben kann.
Die Fähigkeit der Hefezellen Alkohol zu bilden wurde u.†a. von LOUIS PASTEUR im 19. Jh. beschrieben. Er beobachtete außerdem, dass die Hefen auch unter aeroben Bedingungen Stoffwechsel betrieben und sich stärker vermehrten als unter anaeroben Bedingungen. Daraus ergab sich, dass Hefen fakultative Anaerobier sind, die je nach Umweltbedingungen zwischen aerobem und anaerobem Stoffwechsel umschalten und ihren Energiebedarf wahlweise über die Zellatmung oder über die Gärung decken können. PASTEUR stellte zudem fest, dass bei Anwesenheit von Sauerstoff kaum noch Ethanol produziert, die alkoholische Gärung also gehemmt wird. Diese Unterdrückung der Gärung durch die Zellatmung wird als Pasteur-Effekt bezeichnet.
Material 1
Vergleichende Befunde zur Zellatmung und Gärung bei Hefezellen
Material 2
Regulation des Energiestoffwechsels in Abhängigkeit vom Sauerstoffangebot
Der Wechsel zwischen aerobem und anaerobem Glukoseabbau muss reguliert werden. Ein wichtiger Knotenpunkt für die Regulation ist z.†B. der Abbau von Pyruvat. Hefen besitzen dafür zwei verschiedene Enzyme. Bei Anwesenheit von Sauerstoff wird Pyruvat durch das Enzym Pyruvat-Dehydrogenase umgesetzt. Ist kein Sauerstoff vorhanden, wird Pyruvat durch ein anderes Enzym, die Pyruvat-Decarboxylase, umgesetzt. Im Vergleich zur Pyruvat-Dehydrogenase benötigt die Pyruvat-Decarboxylase eine wesentlich höhere Pyruvatkonzentration, um eine nennenswerte Enzymaktivität zu zeigen.
Material 3
Aktivität der Pyruvat-Dehydrogenase bei Abwesenheit von
1.1
Vergleichen Sie den aeroben und den anaeroben Glukoseabbau der Hefe im Hinblick auf die Teilprozesse, deren jeweiligen Orte in der Zelle, die Endprodukte und die Energiebilanzen. [8 BE]
1.2
Stellen Sie mithilfe von Reaktionsgleichungen den Zusammenhang der beiden unter anaeroben Bedingungen ablaufenden Teilprozesse in Strukturformeln dar und erläutern Sie anhand Ihrer Darstellung die Bedeutung der alkoholischen Gärung für lebende Organismen. [8 BE]
Hinweis: Es sind nur die Edukte und Produkte darzustellen.
1.3
Beschreiben Sie die graphischen Darstellungen (Material 1), ordnen Sie die Kurven A und B den aeroben und anaeroben Bedingungen zu und begründen Sie Ihre Zuordnung. [12 BE]
Hinweis: Beziehen Sie bei Ihrer Begründung den Pasteur-Effekt mit ein.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1.1 Vergleichen Sie den aeroben und den anaeroben Glukoseabbau der Hefe im Hinblick auf die Teilprozesse, deren jeweiligen Orte in der Zelle, die Endprodukte und die Energiebilanzen.
Lösung: Sowohl der aerobe als auch der anaerobe Glukoseabbau beginnen mit der Glykolyse im Cytoplasma der Hefezellen. Beim anaeroben Abbau wird Pyruvat im Cytoplasma über die alkoholische Gärung zu Ethanol und abgebaut. Pro Glukose entstehen 2 Ethanol und 2 ATP. Beim aeroben Glukoseabbau folgen auf die Glykolyse die oxidative Decarboxylierung in der mitochondrialen Matrix, der Citratzyklus (Mitochondrienmatrix) sowie die Endoxidation an der inneren Mitochondrienmembran / Intermembranraum. Endprodukte sind und pro Glukose mit einer Ausbeute von insgesamt 38 ATP.
1.2 Reaktionsgleichungen der beiden unter anaeroben Bedingungen ablaufenden Teilprozesse in Strukturformeln
Lösung: Darstellung der Glykolyse: Darstellung der alkoholischen Gärung:
1.2 Erläutern Sie anhand Ihrer Darstellung die Bedeutung der alkoholischen Gärung für lebende Organismen.
Lösung: Die Gärung ermöglicht es biologischen Systemen, auch in Abwesenheit von Sauerstoff Energie (ATP) zu generieren. Über die Gärung selbst wird kein ATP produziert, aber sie dient der Rückgewinnung von , welches in der Glykolyse für die ATP-Produktion benötigt wird. Würde nicht regeneriert, käme die Glykolyse zum Erliegen. Dies erhöht die Überlebenschance bei wechselnden Umweltbedingungen.
1.3 Beschreiben Sie die graphischen Darstellungen (Material 1), ordnen Sie die Kurven A und B den aeroben und anaeroben Bedingungen zu und begründen Sie Ihre Zuordnung.
Lösung: Beschreibung: - Linke Grafik: Glukosekonzentration sinkt bei Kurve A rasch und steil bis nahe null, bei Kurve B dagegen nur geringfügig und linear (ca. 80 % verbleiben). - Rechte Grafik: Ethanolkonzentration steigt bei Kurve A rasch und stark an (spiegelt den Glukoseabfall wider), bei Kurve B verharrt sie auf minimalem Niveau (ca. 5 % von A). Zuordnung und Begründung: - Kurve A = anaerobe Bedingungen: Wegen der geringen ATP-Ausbeute von 2 mol ATP/mol Glukose muss sehr viel Glukose verstoffwechselt werden, um den Energiebedarf zu decken; dabei entsteht viel Ethanol. - Kurve B = aerobe Bedingungen: Die hohe ATP-Ausbeute von ca. 38 mol ATP/mol Glukose bei vollständiger Oxidation erfordert nur geringen Glukoseverbrauch. Der Pasteur-Effekt beschreibt die Hemmung der Gärung durch Sauerstoff/Zellatmung, daher entsteht kaum Ethanol.
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Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2.5 · LK 2021 ›