Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Abitur Hessen Biologie LK · Schulen für Erwachsene 2022

Thema: Stoffkreisläufe und Einfluss des Menschen · Aus der Prüfung LK · Schulen für Erwachsene (2022)

Aufgabenstellung

Material 1

Der Kaffeebaum

Ursprünglich im äthiopischen Bergland in Afrika beheimatet, wird heute Kaffee rund um die Äquatorregion angebaut. In Kaffeeplantagen findet sich zu etwa 60% die Art Coffea arabica (Bergkaffee), auf die sich die nachfolgenden Informationen beziehen. C. arabica ist eine anspruchsvolle, bis zu 4 m große Pflanze, die nur in Höhen von 600 bis 2000 m mit hohen Niederschlagsmengen, humusreichen Böden und in einem engen Temperaturbereich von 18 bis 25 °C gedeiht. Je nach klimatischen Bedingungen blüht der Kaffeebaum einmal oder mehrmals im Jahr. Die Reifung der Früchte dauert ca. sieben bis neun Monate, die Farbe wechselt mit zunehmendem Reifungsgrad von grün über gelb zu rot. Die reifen Früchte, die man auch Kaffeekirschen nennt, verströmen einen alkoholartigen Geruch. Kaffeekirschen enthalten in der Regel zwei grüne Samen, die wir als Kaffeebohnen bezeichnen. Das Koffein wird in jungen Blättern synthetisiert und während der Reifezeit in die Früchte transportiert. Nicht alle Früchte reifen gleichzeitig, sodass sich die Ernte über zehn bis zwölf Wochen hinzieht.

Material 2

Der Kaffeeschädling Nummer 1

Unter den Kaffeezüchtern ist der noch nicht einmal 2 mm große Kaffeekirschenkäfer ( Hypothenemus hampei) als Schädling gefürchtet. Der jährliche Schaden wird mit 500 Millionen US-Dollar beziffert. Obwohl das giftige Koffein in den Kaffeebohnen als Fraßschutz dienen soll, schafft es der Kaffeekirschenkäfer als einziges Insekt, nahezu seinen kompletten Lebenszyklus versteckt in den Kaffeekirschen zu verbringen und die Kaffeebohnen als Nahrung zu nutzen.

Befruchtete weibliche Käfer fliegen die Kaffeekirsche an, bohren Gänge und legen dort ihre Eier ab. Innerhalb von etwa vier Wochen vollziehen diese ihre Entwicklung bis zum erwachsenen Käfer. Durch die schnelle Entwicklung können mehrere Generationen von Kaffeekirschenkäfern in einem Jahr heranwachsen. Frisch geschlüpfte Käfer verpaaren sich noch in der Kaffeekirsche, allerdings sind die kleineren Männchen aufgrund verkümmerter Flügel nicht flugfähig und verlassen die Kaffeekirsche nicht. Auch die Weibchen sind keine guten Flieger und können nur Strecken von bis zu 500 Metern zurücklegen. Zwischen den Reifezeiten der Kaffeebohnen können sie aber mühelos mehrere Monate in den heruntergefallenen Früchten überleben.

Der kleine Käfer hat viele Feinde, z. B. steht er auf dem Speisezettel von Ameisen und Vögeln. Winzige Wespen wie die Art Cephalonomia stephanoderis suchen die Bohrgänge von befallenen Kaffeekirschen auf, um dort ebenfalls ihre Eier abzulegen. Die Larven und Puppen der Käfer dienen als Nahrung für die Wespenlarven. In dem feuchten, regenreichen Klima müssen sich die Käfer auch gegen Pilze wie Beauveria bassiana wehren. Wenn Pilzsporen (einzellige Fortpflanzungseinheiten) den Käfer infizieren, bilden sich Pilzgeflechte im Käfer aus. Der Pilz ernährt sich von dem Käfer und führt zu dessen Tod.

Material 4

Methoden der Schädlingsbekämpfung gegen den Kaffeekirschenkäfer

In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Stoffe wie Endosulfan und Chlorpyrifos zur chemischen Schädlingsbekämpfung gegen den Kaffeekirschenkäfer eingesetzt. Diese Stoffe sind jedoch nicht nur sehr giftig für die Käfer, sie wirken auch schädigend auf das menschliche Nervensystem, reichern sich in Nahrungsketten an und werden nur sehr langsam biologisch abgebaut. In den meisten Ländern ist ihre Verwendung mittlerweile verboten. Daher rücken nun umweltverträglichere Methoden in den Fokus. Der mexikanische Forscher Francisco Infante schlägt zur Bekämpfung von Kaffeekirschenkäfern unter anderem vor:

In Anbaugebieten, in denen es nur eine Kaffee-Ernte im Jahr gibt, soll nach der Ernte der Boden von den heruntergefallenen Früchten gesäubert werden.

In Kaffeeplantagen, in denen die Kaffeesträucher mehrmals im Jahr blühen, werden rote Insektenfallen aufgestellt, die mit einem Alkoholmix ausgestattet sind. Die Fallen sind so konstruiert, dass die Insekten wieder daraus entfliehen können, aber dabei mit Pilzsporen von B. bassiana in Kontakt kommen. Sammeln sich in kurzer Zeit sehr viele Tiere in den Lockfallen, so wird zwei bis drei Wochen später zusätzlich noch die Wespe C. stephanoderis in der Kaffeeplantage ausgebracht.

3 Erklären Sie die beiden in Material 4 dargestellten Vorschläge zur Bekämpfung des Kaffeekirschenkäfers mithilfe von Material 1 und 2. (Material 1, 2 und 4)

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Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Abitur Hessen Biologie LK · Schulen für Erwachsene 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erklärung von Vorschlag 1:

Lösung: Vorschlag 1: In den herabgefallenen Früchten können Käfer bis zur nächsten Fruchtreife im folgenden Jahr überleben. Da die männlichen Käfer nicht fliegen können und die weiblichen Käfer schlechte Flieger sind, wird der Befall mit dem Schädling wahrscheinlich durch die Fruchtabfälle in der eigenen Plantage verursacht. Durch Einsammeln der heruntergefallenen Früchte können die Käfer dezimiert werden.

Erklärung von Vorschlag 2:

Lösung: Vorschlag 2: In den Plantagen, in denen die Kaffeebäume mehrmals blühen, ist dauerhaft eine Infektionsgefahr der Kaffeekirschen durch Kaffeekirschenkäfer gegeben. Insektenfallen können durch die rote Farbe und den Alkohol reife Kaffeefrüchte vortäuschen und Kaffeekirschenkäfer anlocken. Dadurch, dass die Käfer entfliehen können, aber mit Pilzsporen infiziert werden, soll erreicht werden, dass die entflohenen Käfer den Pilz an Artgenossen weitergeben, sodass möglichst viele Käfer durch den Pilz abgetötet werden. Durch die Fallen zeigt sich auch das Ausmaß des Befalls. Sind viele Schädlinge vorhanden, so kann die Wespenart C. stephanoderis die Brut der Käfer zusätzlich dezimieren, da ihre sich in den Bohrgängen der Käfer entwickelnden Larven die Käferlarven auffressen.

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