Abitur BW Französisch 2023 · GK · Brüggemann: Lackieren geht über Studieren
Aufgabe Französisch aus dem IQB-Pool 2023, GK · Brüggemann: Lackieren geht über Studieren: 1 Teilaufgabe mit Lösungen. Mit automatischer Korrektur.
Themen der Aufgabe: Sprachmittlung Deutsch → Französisch (Médiation)
Aufgabe 1
1 Aufgabe
Aufgabenstellung
Vous participez à un blog francophone destiné à des élèves en classe de terminale où on discute de perspectives professionnelles après le bac.
Les élèves français ont entendu parler du modèle allemand d’une formation en apprentissage et vous demandent des informations supplémentaires. En vous basant sur l’article « Lackieren geht über Studieren », vous leur présentez les avantages d’une telle formation en Allemagne.
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Material
Lackieren geht über Studieren (2019)
Von Michael Brüggemann
Wenn Jessica Jörges auf dem Baugerüst steht, trägt sie eines ihrer wichtigsten Werkzeuge stets griffbereit in der Arbeitshose: ihr Smartphone. In den Pausen macht die 21 Jahre alte Malergesellin aus dem hessischen Dreieich Selfies oder lässt sich von ihren Kollegen beim Verputzen mit dem Spachtel fotografieren. Die Bilder postet sie nach Feierabend auf Facebook und Instagram. […] Ihre Mission: junge Menschen für ihr Gewerk zu begeistern.
„Viele wissen gar nicht, wie vielfältig unser Beruf ist. Die denken, wir würden den ganzen Tag nur Fassaden weiß streichen.“ In ihrem Blog gibt Jörges Einblicke in ihre tägliche Arbeit: Man sieht sie beim Wände tapezieren, Fenster lackieren, Dachstühle dämmen oder Putz aufziehen. Auch anstrengende und dreckige Arbeiten wie Pinsel auswaschen oder Putzsäcke schleppen dokumentiert die junge Handwerkerin. „Ich will zeigen, was wirklich auf der Baustelle passiert, damit Bewerber wissen, worauf sie sich einlassen.“
Ihre authentische Art kommt an: Rund 3500 Follower hat Jörges inzwischen. Mit ihrem Blog will sie vor allem handwerklich geschickte Abiturienten erreichen. „Viele Jugendliche mit gutem Schulabschluss empfinden eine Ausbildung als Rückschritt. Aber wo steht geschrieben, dass man studieren muss, um erfolgreich zu sein?“
Als Gesellin mit Hochschulreife ist Jessica Jörges in ihrer Branche eine Ausnahme: Nur etwa jeder siebte, neu eingestellte Auszubildende im Handwerk hat Abitur. Dabei könnten die Betriebe leistungsstarken Nachwuchs mit guter Allgemeinbildung dringend gebrauchen: Die Auftragsbücher von Dachdeckern, Fliesenlegern, Klempnern oder Elektroinstallateuren sind voll. Auch Bäcker und Fleischer haben gut zu tun. Doch den Unternehmen fehlen geeignete Fachkräfte und Azubis, um die vielen Aufträge abzuarbeiten. Jedes Jahr bleiben rund 15.000 bis 20.000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Gesamtzahl der Azubis fast halbiert.
Nicht nur das Handwerk, auch Industrie und Handel, Krankenhäuser oder Pflegeheime suchen verzweifelt nach Lehrlingen. Doch der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen führt dazu, dass immer mehr junge Menschen an die Hochschulen drängen. Fast jeder sechste von zehn Schulabgängern beginnt ein Studium; vor zehn Jahren war es noch etwa jeder vierte. Gleichzeitig sinkt durch den demographischen Wandel die Zahl der Schulabgänger. Die Unternehmen werben deshalb intensiv um die wachsende Zielgruppe der Abiturienten.
Bislang mit mäßigem Erfolg. „An den Gymnasien gilt das Studium noch immer als Königsweg in eine erfolgreiche berufliche Zukunft“, sagt Volker Born, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. „Viele Eltern meinen, dass Karriere und hohes Einkommen nur über die Hochschule realisierbar sind, und geben das an ihre Kinder weiter.“
Dabei sind die Aussichten, die sich den Absolventen in einem der mehr als 130 Ausbildungsberufe im Handwerk bieten, vielversprechend. Als Gesellen können sie nach der Lehre „auf die Walz“ 1 oder ins Ausland gehen, den Meistertitel erwerben oder studieren. Angesichts der guten Geschäftslage und mit Blick auf Fachkräfte-Engpässe ist das Risiko, arbeitslos zu werden, gering. In rund 200.000 Handwerksbetrieben steht zudem in den nächsten zehn Jahren ein Generationenwechsel an: „Für motivierte Nachwuchskräfte eine gute Gelegenheit, sich selbstständig zu machen und sein eigener Chef zu werden“, wirbt Born.
Auch finanziell kann sich die Entscheidung für einen handwerklichen Beruf auszahlen. Dem Ifo-Institut zufolge nimmt ein Meister oder Techniker nach Abzug der Ausbildungskosten im Laufe seines Lebens im Durchschnitt rund 730.000 Euro ein. Läuft sein Betrieb gut, verdient er damit deutlich mehr als mancher Hochschulabsolvent etwa der Kunst- oder Sozialwissenschaften. […]
Dabei wäre manch ein Bachelorstudent im Betrieb glücklicher und erfolgreicher als im Hörsaal. „Nicht für jeden ist ein Studium nach dem Abitur das Richtige“, sagt Maler-Gesellin Jessica Jörges. „Manche sind mit einer Ausbildung besser aufgehoben oder brauchen noch Zeit, um zu wissen, was sie studieren möchten.“
584 Wörter
Brüggemann, M. (2019). Lackieren geht über Studieren. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 07. November 2019.
1 die Walz – le voyage des compagnons
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