Abitur Saarland Deutsch 2023 · LK · Zustand des deutschen Sprachsystems
Aufgabe Deutsch aus dem IQB-Pool 2023, LK · Zustand des deutschen Sprachsystems: 2 Teilaufgaben mit Lösungen. Themen: Analyse pragmatischer Texte. Kostenlos.
Themen der Aufgabe: Analyse pragmatischer Texte · Erörterung pragmatischer Texte
Aufgabe 1 - Analyse pragmatischer Texte
Material
Heinrich Detering: Rede zur Eröffnung der Debattenreihe DEUTSCH 3.0 am 29.01.2014 in Berlin
Wenn der Vorsitzende einer Institution namens „Deutsche Akademie für Sprache und
Dichtung“ 1 an diesem Ort das Wort ergreift, dann gibt das zu Befürchtungen Anlass. Die
Amtsbezeichnung könnte die Besorgnis erwecken, der Redner wolle in einem
gewissermaßen standesgemäßen Kulturpessimismus grämlich den allgemeinen
5 Sprachverfall des Deutschen beklagen und dagegen allerlei Ge- und Verbote fordern.
Diese Sorge ist unbegründet: erstens weil glücklicherweise überhaupt niemandem in
unserem demokratischen Gemeinwesen, unserer – und da bin ich schon bei meiner
wichtigsten These – lebendigen Sprachgemeinschaft eine sprachpolizeiliche Autorität
zukommt, und zweitens weil ich vom Germanistik-Studium bis in die Arbeiten der Akademie
10 hinein so viel Respekt vor der zünftigen Linguistik gelernt habe, dass meine Ansichten über
Sprachgebrauch und Sprachverfall jedenfalls sehr viel vorsichtiger geworden sind. Und
außerdem bin ich ja auch nicht zu einer Enzyklika eingeladen, sondern zu einem
„Impulsvortrag“. Also, nur einige vorläufige, um der Impulse willen manchmal auch polemisch
pointierte Bemerkungen. [...]
15 Der Magen der deutschen Sprache, das zeigt der auf breiter Datenbasis gründende, mit viel
Scharfsinn erarbeitete Bericht 2 mit beruhigender Überzeugungskraft, der Magen der
deutschen Sprache hat gerade in den letzten hundert Jahren, die der Sprachbericht erfasst,
erstaunlich viel verdaut. Und es ist dem Deutschen – um im Bilde zu bleiben – meistens sehr
gut bekommen. Viel besser, als diejenigen argwöhnen, die bei jeder neuen Speise gleich vor
20 Übelkeit, Brechreiz und Kollaps warnen. Nie war der Wortschatz unserer Sprache so
umfangreich und differenziert wie heute, keineswegs haben die Merkmale einer
bürokratischen Amtssprache überhand genommen, fremdsprachliche Wörter wie die viel
beargwöhnten Anglizismen hat das Sprachsystem des Deutschen sich ebenso
selbstbewusst einverleibt und angeeignet, wie es das in früheren Jahrhunderten mit dem
25 Lateinischen und dem Französischen getan hat.
Nun haben uns [...] auch wohlmeinende Kritiker beharrlich daran erinnert, dass
Sprachsystem und Sprachgebrauch zwei grundsätzlich zu unterscheidende Bereiche bilden
und dass die erfreuliche Stabilität des einen nicht automatisch einen Optimismus im Blick auf
das andere begründen könne. Weil diese Mahnung unbedingt berechtigt ist, darum wird
30 heute Abend die große Veranstaltungsreihe namens „DEUTSCH 3.0“ eröffnet. Weil der
Wandel des Sprachgebrauchs uns tatsächlich alle angeht, nicht nur in der politischen,
wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und medialen Öffentlichkeit, sondern bis in unsere
persönlichsten Lebensvollzüge hinein: darum muss über die Lage der deutschen Sprache
als eines Systems hinaus weiter gefragt werden nach ihrem tatsächlichen Gebrauch in
35 Gegenwart und nächster Zukunft. Wir wollen wissen, wohin die sprachliche Reise geht. Nach
dem Sprachgebrauch in den neuen elektronischen Kommunikationsmedien also wird gefragt
werden, nach dem Deutschen als einer Sprache der Wirtschaft und als einer
Wissenschaftssprache und nach dem Verhältnis zwischen dem Deutschen und den
Sprachen der nach Deutschland Eingewanderten und Einwandernden. [...]
40 Meine Damen und Herren: Auch wenn Sprachsystem und Sprachgebrauch zwei
verschiedene Dinge sind, so könnte die Einsicht in die Stabilität des ersteren uns doch an
das Motto Johannes Pauls II. 3 erinnern: „Habt keine Angst.“ Zum Beispiel vor einem von
innen kommenden Sprachverfall, etwa in den diversen Erscheinungsformen dessen, was
man verallgemeinernd Jugendsprache nennt. Die einfallsreichen Ausdrucksformen der
45 Jugendsprache in den Kurz- und Kürzestformen von SMS und Twitter, in den diversen
Umgangs- und Szenesprachen, in dialektähnlichen Formen wie dem türkisch-deutschen
Kanak Sprak: wo Kulturpessimisten nur ein Abgleiten in ein Schrumpfdeutsch wahrnehmen,
da ließe sich, tritt man nur ein paar Schritte zurück, auch eine „Kultur des Witzes“ erkennen –
sehr anders in ihren Ausdrucksformen, aber oft keineswegs weniger geistreich und witzig als
50 in den Moden von Spätaufklärung und Rokoko, für die diese Formel einmal geprägt worden
ist. [...]
Wieviel Angst vor der Überfremdung durch die Sprachen von, nehmen wir den Ausdruck
ruhig versuchsweise auf, Armutsmigranten gilt eigentlich der Sprache und wieviel in
Wahrheit nur der Armut? Das Französische als traditionelle Bildungssprache ist elegant, das
55 Englisch-Amerikanische als ökonomische und politische Siegersprache ist schick, die
Sprachen der ökonomischen Verlierer sind peinlich, werden allenfalls als Unterschicht-
Phänomen wahrgenommen. Aber der Schritt vom Sprachpurismus 4 zum ethnischen
Sauberkeitsgebot 5 ist manchmal schneller und leichter getan, als man denkt.
Ich weiß, wir reden hier nicht vom kulturellen Austausch der Intellektuellen, sondern zuerst
60 von den Konfliktzonen der Kindergärten und der Schulen, an denen der Sprachgebrauch oft
wenig vom Reichtum des deutschen Wortschatzes bemerken lässt, der
Weiterbildungsanstalten und der Arbeitsämter. Und wie könnte ich der Forderung
widersprechen, dass Erwachsene und Kinder, die aus anderen Ländern und Sprachen in
den deutschen Sprachraum gezogen sind, die deutsche Sprache erlernen und möglichst gut
65 beherrschen sollen? Es ist ja einfach eine Forderung der praktischen Vernunft, eine
Konsequenz der sozialen Erfahrung und notabene 6 der elementaren Rechte von Freiheit und
Teilhabe. Aber wenn die Mitschüler/innen von Türken, Polen, Russen Lust bekommen,
Türkisch, Polnisch, Russisch zu lernen, dann ist die praktische Förderung dieser Lust eine
gute, eine grundvernünftige Tat nicht nur für den sozialen Frieden, sondern – darauf kommt
70 es mir an – auch für die deutsche Kultur und Sprache. [...]
Und natürlich weiß ich, dass die versöhnungsseligen Sonntagsappelle an Mehrsprachigkeit
und Kulturaustausch vom gelebten Alltag manchmal so weit entfernt sind wie mein hier zu
Demonstrationszwecken etwas aufgemöbelter Optimismus. Auch in Flensburg spricht nicht
jeder Bürger Dänisch, auch in Saarbrücken ist die Einsprachigkeit verbreitet, auch in der
75 Lausitz ist die Fremdenfeindlichkeit nicht ausgestorben. Und dass es in den deutschen
Metropolen Stadtteile gibt, in denen vom Wunsch nach Austausch und gegenseitigem
Lernen nur die Abschottung verfeindeter oder einander ignorierender Parallelgesellschaften
geblieben ist: wer wollte das bestreiten? [...]
„Lasst uns“, hat Goethe in den Maximen und Reflexionen notiert, „lasst uns doch vielseitig
80 sein! Märkische Rübchen schmecken gut, am besten gemischt mit Kastanien, und diese
beiden edlen Früchte wachsen weit auseinander.“
Meine Damen und Herren: Nach dem Verhältnis von Kastanien und Rübchen, nach den
besten Kombinationen beider und nach vielem mehr sollen die Veranstaltungen und Formate
der heute eröffneten Reihe fragen. Und ein Blick auf das so umfangreiche wie klug
85 komponierte Programm zeigt, dass bei der Suche nach neuen Rezepten ganz gewiss mehr
als Kraut und Rüben herauskommen werden. Fachkundig und kritisch wird hier debattiert
werden, über die deutsche Sprache in der Bildungspolitik, über Sprachmigration und
Wissenschaftssprache, über Ökonomie und Internet, lernend und streitend, mit Neugier und
kritischer Aufmerksamkeit, offen und ohne falsche Angst. Und was immer auch
90 herauskommen wird – die Debatten und ihre Ergebnisse werden, da bin ich unverdrossen
zuversichtlich, so lebendig und lebenskräftig sein, wie es unsere wunderbare Sprache schon
seit Deutsch 1.0 gewesen ist.
1 Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: 1949 gegründete Vereinigung von Schriftstellern und Gelehrten zur Pflege und Förderung der deutschen Sprache und Literatur.
2 Bericht: hier: „Erster Bericht zur Lage der deutschen Sprache“, der 2013 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung veröffentlicht wurde.
3 Johannes Paul II. (1920–2005): Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche von 1978 bis 2005.
4 Sprachpurismus: übertriebenes Streben nach Reinhaltung der Sprache.
5 ethnisches Sauberkeitsgebot: hier: Ablehnung von Volksgruppen.
6 notabene: (lat.) „merke wohl“; hier zur Betonung: übrigens auch.
Detering, Heinrich (29.01.2014): Rede zur Eröffnung der Debattenreihe DEUTSCH 3.0. <https://www.deutscheakademie.de/download.php?itemID=367>. 03.08.2022
Heinrich Detering (*1959) ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft und war zum Zeitpunkt der Rede Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
1. Analysieren Sie den Auszug aus Heinrich Deterings Rede.
[ca. 70 %]
Aufgabe 2 - Erörterung pragmatischer Texte
Material
Heinrich Detering: Rede zur Eröffnung der Debattenreihe DEUTSCH 3.0 am 29.01.2014 in Berlin
Wenn der Vorsitzende einer Institution namens „Deutsche Akademie für Sprache und
Dichtung“ 1 an diesem Ort das Wort ergreift, dann gibt das zu Befürchtungen Anlass. Die
Amtsbezeichnung könnte die Besorgnis erwecken, der Redner wolle in einem
gewissermaßen standesgemäßen Kulturpessimismus grämlich den allgemeinen
5 Sprachverfall des Deutschen beklagen und dagegen allerlei Ge- und Verbote fordern.
Diese Sorge ist unbegründet: erstens weil glücklicherweise überhaupt niemandem in
unserem demokratischen Gemeinwesen, unserer – und da bin ich schon bei meiner
wichtigsten These – lebendigen Sprachgemeinschaft eine sprachpolizeiliche Autorität
zukommt, und zweitens weil ich vom Germanistik-Studium bis in die Arbeiten der Akademie
10 hinein so viel Respekt vor der zünftigen Linguistik gelernt habe, dass meine Ansichten über
Sprachgebrauch und Sprachverfall jedenfalls sehr viel vorsichtiger geworden sind. Und
außerdem bin ich ja auch nicht zu einer Enzyklika eingeladen, sondern zu einem
„Impulsvortrag“. Also, nur einige vorläufige, um der Impulse willen manchmal auch polemisch
pointierte Bemerkungen. [...]
15 Der Magen der deutschen Sprache, das zeigt der auf breiter Datenbasis gründende, mit viel
Scharfsinn erarbeitete Bericht 2 mit beruhigender Überzeugungskraft, der Magen der
deutschen Sprache hat gerade in den letzten hundert Jahren, die der Sprachbericht erfasst,
erstaunlich viel verdaut. Und es ist dem Deutschen – um im Bilde zu bleiben – meistens sehr
gut bekommen. Viel besser, als diejenigen argwöhnen, die bei jeder neuen Speise gleich vor
20 Übelkeit, Brechreiz und Kollaps warnen. Nie war der Wortschatz unserer Sprache so
umfangreich und differenziert wie heute, keineswegs haben die Merkmale einer
bürokratischen Amtssprache überhand genommen, fremdsprachliche Wörter wie die viel
beargwöhnten Anglizismen hat das Sprachsystem des Deutschen sich ebenso
selbstbewusst einverleibt und angeeignet, wie es das in früheren Jahrhunderten mit dem
25 Lateinischen und dem Französischen getan hat.
Nun haben uns [...] auch wohlmeinende Kritiker beharrlich daran erinnert, dass
Sprachsystem und Sprachgebrauch zwei grundsätzlich zu unterscheidende Bereiche bilden
und dass die erfreuliche Stabilität des einen nicht automatisch einen Optimismus im Blick auf
das andere begründen könne. Weil diese Mahnung unbedingt berechtigt ist, darum wird
30 heute Abend die große Veranstaltungsreihe namens „DEUTSCH 3.0“ eröffnet. Weil der
Wandel des Sprachgebrauchs uns tatsächlich alle angeht, nicht nur in der politischen,
wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und medialen Öffentlichkeit, sondern bis in unsere
persönlichsten Lebensvollzüge hinein: darum muss über die Lage der deutschen Sprache
als eines Systems hinaus weiter gefragt werden nach ihrem tatsächlichen Gebrauch in
35 Gegenwart und nächster Zukunft. Wir wollen wissen, wohin die sprachliche Reise geht. Nach
dem Sprachgebrauch in den neuen elektronischen Kommunikationsmedien also wird gefragt
werden, nach dem Deutschen als einer Sprache der Wirtschaft und als einer
Wissenschaftssprache und nach dem Verhältnis zwischen dem Deutschen und den
Sprachen der nach Deutschland Eingewanderten und Einwandernden. [...]
40 Meine Damen und Herren: Auch wenn Sprachsystem und Sprachgebrauch zwei
verschiedene Dinge sind, so könnte die Einsicht in die Stabilität des ersteren uns doch an
das Motto Johannes Pauls II. 3 erinnern: „Habt keine Angst.“ Zum Beispiel vor einem von
innen kommenden Sprachverfall, etwa in den diversen Erscheinungsformen dessen, was
man verallgemeinernd Jugendsprache nennt. Die einfallsreichen Ausdrucksformen der
45 Jugendsprache in den Kurz- und Kürzestformen von SMS und Twitter, in den diversen
Umgangs- und Szenesprachen, in dialektähnlichen Formen wie dem türkisch-deutschen
Kanak Sprak: wo Kulturpessimisten nur ein Abgleiten in ein Schrumpfdeutsch wahrnehmen,
da ließe sich, tritt man nur ein paar Schritte zurück, auch eine „Kultur des Witzes“ erkennen –
sehr anders in ihren Ausdrucksformen, aber oft keineswegs weniger geistreich und witzig als
50 in den Moden von Spätaufklärung und Rokoko, für die diese Formel einmal geprägt worden
ist. [...]
Wieviel Angst vor der Überfremdung durch die Sprachen von, nehmen wir den Ausdruck
ruhig versuchsweise auf, Armutsmigranten gilt eigentlich der Sprache und wieviel in
Wahrheit nur der Armut? Das Französische als traditionelle Bildungssprache ist elegant, das
55 Englisch-Amerikanische als ökonomische und politische Siegersprache ist schick, die
Sprachen der ökonomischen Verlierer sind peinlich, werden allenfalls als Unterschicht-
Phänomen wahrgenommen. Aber der Schritt vom Sprachpurismus 4 zum ethnischen
Sauberkeitsgebot 5 ist manchmal schneller und leichter getan, als man denkt.
Ich weiß, wir reden hier nicht vom kulturellen Austausch der Intellektuellen, sondern zuerst
60 von den Konfliktzonen der Kindergärten und der Schulen, an denen der Sprachgebrauch oft
wenig vom Reichtum des deutschen Wortschatzes bemerken lässt, der
Weiterbildungsanstalten und der Arbeitsämter. Und wie könnte ich der Forderung
widersprechen, dass Erwachsene und Kinder, die aus anderen Ländern und Sprachen in
den deutschen Sprachraum gezogen sind, die deutsche Sprache erlernen und möglichst gut
65 beherrschen sollen? Es ist ja einfach eine Forderung der praktischen Vernunft, eine
Konsequenz der sozialen Erfahrung und notabene 6 der elementaren Rechte von Freiheit und
Teilhabe. Aber wenn die Mitschüler/innen von Türken, Polen, Russen Lust bekommen,
Türkisch, Polnisch, Russisch zu lernen, dann ist die praktische Förderung dieser Lust eine
gute, eine grundvernünftige Tat nicht nur für den sozialen Frieden, sondern – darauf kommt
70 es mir an – auch für die deutsche Kultur und Sprache. [...]
Und natürlich weiß ich, dass die versöhnungsseligen Sonntagsappelle an Mehrsprachigkeit
und Kulturaustausch vom gelebten Alltag manchmal so weit entfernt sind wie mein hier zu
Demonstrationszwecken etwas aufgemöbelter Optimismus. Auch in Flensburg spricht nicht
jeder Bürger Dänisch, auch in Saarbrücken ist die Einsprachigkeit verbreitet, auch in der
75 Lausitz ist die Fremdenfeindlichkeit nicht ausgestorben. Und dass es in den deutschen
Metropolen Stadtteile gibt, in denen vom Wunsch nach Austausch und gegenseitigem
Lernen nur die Abschottung verfeindeter oder einander ignorierender Parallelgesellschaften
geblieben ist: wer wollte das bestreiten? [...]
„Lasst uns“, hat Goethe in den Maximen und Reflexionen notiert, „lasst uns doch vielseitig
80 sein! Märkische Rübchen schmecken gut, am besten gemischt mit Kastanien, und diese
beiden edlen Früchte wachsen weit auseinander.“
Meine Damen und Herren: Nach dem Verhältnis von Kastanien und Rübchen, nach den
besten Kombinationen beider und nach vielem mehr sollen die Veranstaltungen und Formate
der heute eröffneten Reihe fragen. Und ein Blick auf das so umfangreiche wie klug
85 komponierte Programm zeigt, dass bei der Suche nach neuen Rezepten ganz gewiss mehr
als Kraut und Rüben herauskommen werden. Fachkundig und kritisch wird hier debattiert
werden, über die deutsche Sprache in der Bildungspolitik, über Sprachmigration und
Wissenschaftssprache, über Ökonomie und Internet, lernend und streitend, mit Neugier und
kritischer Aufmerksamkeit, offen und ohne falsche Angst. Und was immer auch
90 herauskommen wird – die Debatten und ihre Ergebnisse werden, da bin ich unverdrossen
zuversichtlich, so lebendig und lebenskräftig sein, wie es unsere wunderbare Sprache schon
seit Deutsch 1.0 gewesen ist.
1 Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: 1949 gegründete Vereinigung von Schriftstellern und Gelehrten zur Pflege und Förderung der deutschen Sprache und Literatur.
2 Bericht: hier: „Erster Bericht zur Lage der deutschen Sprache“, der 2013 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung veröffentlicht wurde.
3 Johannes Paul II. (1920–2005): Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche von 1978 bis 2005.
4 Sprachpurismus: übertriebenes Streben nach Reinhaltung der Sprache.
5 ethnisches Sauberkeitsgebot: hier: Ablehnung von Volksgruppen.
6 notabene: (lat.) „merke wohl“; hier zur Betonung: übrigens auch.
Detering, Heinrich (29.01.2014): Rede zur Eröffnung der Debattenreihe DEUTSCH 3.0. <https://www.deutscheakademie.de/download.php?itemID=367>. 03.08.2022
Heinrich Detering (*1959) ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft und war zum Zeitpunkt der Rede Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
2. Nehmen Sie, unter Berücksichtigung von sprachpflegerischen Positionen, Stellung zu Deterings These, dass „überhaupt niemandem in unserem demokratischen Gemeinwesen, unserer […] lebendigen Sprachgemeinschaft eine sprachpolizeiliche Autorität zukommt“.
[ca. 30 %]
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Übe ein Thema mit gemischten Teilaufgaben aus den Aufgaben des IQB-Pools aller Jahre.
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