Aufgabe Vorschlag B - 1.8 - Trinkwasser · Abitur Hessen Umwelttechnik LK 2022

Thema: Trinkwassergewinnung und Trinkwasseraufbereitung · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Zusammenbruch der Abwasseraufbereitung

Aufgrund der Unwetterkatastrophe im Sommer 2021 im Ahrtal kam es zur lokalen Zerstörung von Großteilen der Infrastruktur. Ebenfalls davon betroffen waren die Abwasserkanäle und Kläranlagen, welche den kleinen Fluss Ahr als Vorfluter nutzen (Material 1).

Material 1

Wichtig ist jetzt der Seuchenschutz

Nur ein Bahndamm verhinderte Schlimmeres. Der meterhohe Wall, direkt hinter der Kläranlage in Dümpelfeld, bremste die Flut, so dass das Wasser nur über ein Tor auf das Gelände strömen konnte. Auch so stand es etwa anderthalb Meter hoch, wie man noch immer an der Dreckspur an den Fenstern des Betriebsgebäudes erkennen kann. „Der Schlamm stand nach der Flut stiefelhoch, die ganze Elektrotechnik der Anlage war kaputt“, sagt Abwassermeister und Betriebsleiter Patrick Kuhl. Inspizieren konnten das die Mitarbeiter erst später, denn zunächst war die Anlage abgeschnitten – die Brücke zur angrenzenden Ortschaft Liers war eingebrochen, der Zufahrtsweg zur Kläranlage weggerissen.

Obwohl der Kläranlage also die volle Wucht des Wassers erspart blieb, war sie nach dem Hochwasser Mitte Juli erst einmal betriebsunfähig. Müll und Unrat hatten sich in den Klärbecken gesammelt, in denen sonst Bakterien das Abwasser reinigen. Das funktionierte nun nicht mehr, oder, wie der Abwassermeister sagt: „Die Biologie war tot.“ […]

Die Anlage in Dümpelfeld – 11.000 Kubikmeter Fassungsvermögen, ausgelegt auf 20.000 Einwohnerwerte, das ist ein Maß für die Schmutzfracht von Abwasser – arbeitet also wieder. Der Grob- und Feinrechen holt Laub und Steinchen aus dem Wasser, der Sand- und Fettfang funktioniert. […]

Alle vier Kläranlagen im Ahrtal sind […] in Mitleidenschaft gezogen worden. Neben der in Dümpelfeld wird zurzeit auch die Anlage „Untere Ahr“ in Sinzig wieder aufgebaut. Die Anlagen „Mittlere Ahr“ in Altenahr und die in Mayschoß seien völlig zerstört, sagt Thomas Müller von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord mit Sitz in Koblenz. „Wo es möglich ist, arbeiten wir dort mit mobilen Kläranlagen.“

Doch nicht nur Kläranlagen sind von der Flut zerstört worden, sondern auch Leitungen dorthin. In den Anlagen kommen normalerweise Sammlerleitungen an, die das Abwasser der Haushalte zusammenführen und aus den Ortschaften zu den Kläranlagen bringen. „Diese Sammler sind teilweise komplett zerstört“, sagt der stellvertretende Werkleiter in Dümpelfeld, Bernd Schmitz. „Viele Rohrleitungen sind vollständig weggespült, andere waren bis zur Oberkante mit Geröll gefüllt.“

Zwei solcher Stränge führen in die Kläranlage in Dümpelfeld, eine davon wurde nur leicht beschädigt, die andere dagegen sehr. Nun gehe es darum, diese Verbindungssammler entweder provisorisch oder schon endgültig wiederherzustellen. Wie lange das dauern wird? „Noch eine sehr lange Zeit“, sagt Schmitz. Vielleicht Jahre. „Das sind teilweise schwierige Trassen, die da unterbrochen sind.“ […]

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/klaeranlagen-nach-flut-ungefiltertes-abwasser-fliesst-in-die-ahr-17480457.html (abgerufen am 04.10.2021).

1.8

Außer der Abwasserbehandlung ist im Katastrophengebiet auch die Trinkwasserversorgung der Gemeinden durch die Zerstörung der Trinkwasserleitungen zusammengebrochen. Ortskräfte haben vorgeschlagen, die Trinkwasserversorgung kurzfristig durch die Nutzung von Brunnenwasser aus den vor Ort ansässigen Gehöften zu realisieren. Diese Überlegungen wurden jedoch schnell wieder verworfen.

Begründen Sie, dass eine direkte Nutzung des Brunnenwassers als Trinkwasser nicht möglich ist. [5 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - 1.8 - Trinkwasser · Abitur Hessen Umwelttechnik LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.8 Begründen Sie, dass eine direkte Nutzung des Brunnenwassers als Trinkwasser nicht möglich ist.

Lösung: - Das Brunnenwasser entspricht wahrscheinlich nicht der Trinkwasserverordnung, da durch die landwirtschaftliche Nutzung zumindest mit erhöhten Nitratwerten zu rechnen ist. Weiterhin ist nicht sichergestellt, dass die mineralische Zusammensetzung des Brunnenwassers der Trinkwasserverordnung entspricht. - Es kommt durch die Überflutung zusätzlich zur Infiltration des Grundwassers mit Wasser aus der Ahr und daher zu einem Eintrag aller Schadstoffe, die katastrophenbedingt im Ahrwasser vorkommen: • Koliforme Bakterien aus Fäkalien • Heizöl und Treibstoffe • Haushalts- und Gewerbechemikalien

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