Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2.2–2.3 · Abitur Hessen Gesundheitslehre LK 2021

Thema: Blutgefäße, Kreislauf und Blutdruckregulation · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Signalmoleküle, die von einer veränderten Plazenta freigesetzt werden, gelangen über den Blutstrom in die Niere und führen im Glomerulus zu charakteristischen Veränderungen, die für die Leitsymptome der Prä-Eklampsie verantwortlich sind.

2.2

Durch die plazentaren Signalmoleküle kommt es in der Niere zu einer lokalen Gefäßkonstriktion der Arterien mittlerer Größe bis hin zu den Kapillaren.

Leiten Sie die Folgen für das Herz-Kreislaufsystem mithilfe von Material 5 her. (7 BE)

2.3

Ödeme entstehen im Kreislaufabschnitt der Kapillaren, können während einer Schwangerschaft jedoch nur durch Ernährung, Bewegung, Kompression und Hochlagerung der Beine therapiert werden.

Beschreiben Sie die ungestörten Vorgänge zur Lymphbildung im Bereich der Kapillaren.

Leiten Sie anhand von Material 6 das Wirkprinzip eines Diuretikums (harntreibendes Arzneimittel) bei Ödemen her. (10 BE)

Hinweis: In der unteren Abbildung ist keine Vasokonstriktion dargestellt.

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2.2–2.3 · Abitur Hessen Gesundheitslehre LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.2 Leiten Sie die Folgen für das Herz-Kreislaufsystem mithilfe von Material 5 her.

Lösung: Die Signalmoleküle der Plazenta führen zu einer Minderperfusion der Niere, besonders der Nierenkörperchen. Dies führt zur Freisetzung des Hormons Renin aus dem sog. juxtaglomerulären Apparat der Niere. Renin wirkt als Enzym und wandelt das in der Leber gebildete Angiotensinogen in Angiotensin I um. Dieses wiederum wird von dem Enzym ACE aus Lungen- und Nierengefäßendothel in Angiotensin II umgebaut. In erster Linie bewirkt Angiotensin II eine starke Verengung der Arteriolen, was direkt zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt. In der Nebennierenrinde wird durch Angiotensin II Aldosteron freigesetzt. Dies fördert in den Nierenkanälchen den Rücktransport von Natrium ins Blut, dem Chloridionen und Wasser passiv nachfolgen, dadurch steigt das Blutvolumen. Im Hypophysenhinterlappen führt Angiotensin II zu einer vermehrten Freisetzung des antidiuretischen Hormons ADH. Dieses bewirkt eine verminderte Wasserausscheidung im Sammelrohr und ebenfalls ein erhöhtes Blutvolumen. Über eine Steigerung der Sympathikusaktivität wirkt Angiotensin II auf das Herz positiv inotrop, chronotrop und dromotrop, wodurch es kräftiger und schneller schlägt, sowie eine schnellere Erregungsleitung aufweist. Alle genannten Vorgänge führen zu einer Erhöhung des Blutdrucks.

2.3 Beschreiben Sie die ungestörten Vorgänge zur Lymphbildung im Bereich der Kapillaren.

Lösung: Kapillaren sind Austauschgefäße. Ihre sehr dünnen Wände besitzen Poren, durch die die gelösten Stoffe mit Wasser frei filtriert werden können. Entscheidend für den Austausch von Flüssigkeit sind die Druckverhältnisse im Bereich der Kapillaren: Auf der arteriellen Seite treibt der hydrostatische Druck von etwa 30 mmHg30\ \mathrm{mmHg} die Flüssigkeit in Richtung Interstitium. Der hydrostatische Druck ist sozusagen der Restblutdruck oder auch der Flüssigkeitsdruck. In Gegenrichtung wirkt der kolloidosmotische Druck in den Kapillaren, der etwa 20 mmHg20\ \mathrm{mmHg} beträgt. Den kolloidosmotischen Druck könnte man auch als „Teilchendruck“ umschreiben, hervorgerufen durch die Plasmaproteine (z. B. Albumin), die Wasser an sich ziehen. Fasst man die einwirkenden Druckverhältnisse zusammen, so ergibt sich ein effektiver Filtrationsdruck von etwa 10 mmHg10\ \mathrm{mmHg} im arteriellen Bereich der Kapillaren, der den Flüssigkeitsaustritt bewirkt. Im venösen Bereich der Kapillaren sinkt der hydrostatische Druck unter den kolloidosmotischen. Durch den geringeren Druckunterschied hier wird nicht die gesamte Flüssigkeitsmenge rückresorbiert, es verbleiben ca. 10 %10\,\% im Zwischenzellraum (Interstitium) als Gewebewasser (Lymphe). Dieses erreicht das Kreislaufsystem erst wieder über den Umweg der Lymphgefäße. Im normalen Zustand gilt: Filtration=Ru¨ckresorption+Lymphabfluss\text{Filtration} = \text{Rückresorption} + \text{Lymphabfluss}.

2.3 Leiten Sie anhand von Material 6 das Wirkprinzip eines Diuretikums (harntreibendes Arzneimittel) bei Ödemen her.

Lösung: Unter Ödemen versteht man eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Interstitium (Zwischenzellraum), die einige Ursachen haben können. Wird ein Diuretikum verabreicht, kommt es zur gesteigerten Diurese. Durch die gesteigerte Wasserausscheidung mit dem Urin erhöht sich die relative Protein-Molekülmenge im Blut. Dies führt zu einem erhöhten kolloidosmotischen Druck, wodurch die Rückresorption von Wasser im Bereich der Kapillaren verstärkt wird und Ödeme „ausgeschwemmt“ werden.

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