Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 4 · Abitur Hessen Biologie GK 2021
Thema: Verhaltensbiologie · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Material 3: Die Varroamilbe – der bedeutsamste Bienenschädling
Die vielfältigen Veränderungen unserer Kulturlandschaften, wie die Umstellung auf große Monokulturen, ein hoher Einsatz von Pestiziden und das Verschwinden der blütenreichen Randstreifen an Äckern und Wegen, haben sich deutlich auf den Gesundheitszustand der Honigbienen ausgewirkt.
Besonders erschwerend wirkte sich das Einschleppen der Varroamilbe Varroa destructor aus Asien in den 1950er Jahren aus. Sie ernährt sich vom Fettkörper der Bienen. In den Zellen des Fettkörpers werden Stoffe umgebaut, neu synthetisiert und gespeichert. Die Aktivität des Organs beeinflusst den hormonellen Status der Larve sowie der erwachsenen Biene und damit auch das Bienenverhalten. Der Fettkörper ist in der Larve besonders stark entwickelt, da er die Reservestoffe enthält, die während der Metamorphose (Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium) gebraucht werden.
Die Varroamilbe lebt auf den Arbeitsbienen und verlässt diese, wenn sie auf heranwachsende Bienenlarven überwechseln kann, bevor deren Wachszellen verschlossen werden. In den 12 Tagen der Verpuppungsphase parasitiert die Milbe an der Bienenlarve und vermehrt sich. Dabei stirbt die befallene Biene nicht, wird aber geschwächt: Ihre Größe ist um ca. 10% vermindert, ihre Lebenszeit stark verkürzt, ihre Orientierungsleistungen sind schlechter und von den Milben übertragene Viren verursachen Erkrankungen, wie z.B. Verkrüppelung der Flügel. Deutschlandweit wurde untersucht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Sterbens eines Bienenvolkes im Winter („Winterverlust“) in Abhängigkeit von seinem Varroamilbenbefall im Herbst ist. Es wurde beobachtet, dass das Risiko, im Winter zu sterben, bei Völkern ohne Varroa-Befall bei etwa 4% liegt. Bei einem Befall ab 20 Milben pro 100 Bienen liegt das Verlustrisiko bei fast 50%.
Material 4: Das Putzverhalten der asiatischen und der europäischen Honigbiene
Angesichts der hohen Verluste durch Varroamilbenbefall bei der heimischen Honigbiene untersuchten Forscher die Beziehung zwischen der Milbe und ihrem ursprünglichen Wirt, der asiatischen Honigbiene. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet existieren Milbe und asiatische Honigbiene schon seit langem miteinander, ohne dass es nennenswerte Beeinträchtigungen der Bienenpopulation gibt. Um diese Beobachtung zu erklären, wurden Versuche mit gesunden Völkern von asiatischen und europäischen Honigbienen durchgeführt. In offene Wachszellen mit Bienenlarven wurde entweder eine Milbe oder ein gleichgroßes Stück Kontrollpapier eingebracht. Dann wurde das Putzverhalten der Bienen beobachtet und geprüft, in welcher Zeit sie jeweils die Milben bzw. das Kontrollpapier entfernten. Bei den Reaktionen der asiatischen Honigbienen konnten alle Beobachtungen innerhalb der ersten 10 Minuten des Versuches durchgeführt werden. Bei den europäischen Honigbienen dagegen musste über 75 Minuten (4500 s) beobachtet und das Resultat zu diesem Zeitpunkt zusammengefasst werden.
4
Fassen Sie die Versuchsergebnisse zum Putzverhalten der asiatischen und der europäischen Honigbiene zusammen und deuten Sie diese. (Material 3 und 4) [15 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Zusammenfassung der Versuchsergebnisse zum Putzverhalten der asiatischen und der europäischen Honigbiene:
Lösung: Die asiatischen Bienen reagieren sofort auf die eingebrachten Störungen, unterscheiden zwischen Milben und Kontrollpapieren und entfernen erstere zuerst (nach zwei Minuten 95% der Milben, danach ca. 45% bzw. in Summe ca. 90% der Kontrollpapiere). Die europäischen Bienen zeigen ein langsameres, ineffektiveres Putzverhalten: Nach 75 Minuten haben sie nur 75% der Kontrollpapiere entfernt und 95% der Milben verbleiben in den Brutwaben.
Deutung der Versuchsergebnisse:
Lösung: Die asiatischen Bienen koexistieren schon lange mit der Varroamilbe, erkennen sie als Gefahr und entfernen sie gezielt zum Schutz der nachwachsenden Brut. Für die europäische Honigbiene ist die Varroamilbe ein Neozoon; aufgrund fehlender gemeinsamer Koevolution fehlt ihr die Fähigkeit, die Milben als spezifische Bedrohung zu identifizieren und effektiv zu beseitigen.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 7 · GK 2022