Abitur Brandenburg Französisch 2023 · GK · Mens: Ich habe einen Traum: Wer nie ein Buch in die Hand nimmt, verpasst so viel!

Aufgabe Französisch aus dem IQB-Pool 2023, GK · Mens: Ich habe einen Traum: Wer nie ein Buch in die Hand nimmt, verpasst so viel!: 1 Teilaufgabe mit Lösungen.

Themen der Aufgabe: Sprachmittlung Deutsch → Französisch (Médiation)

Aufgabe 1

Aufgabenstellung

Votre lycée partenaire organise un projet autour du thème « Liberté, Égalité, Diversité » et demande des contributions pour un blog commun. Vous présentez le parcours de Mirai Mens et son initiative.

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Material

Ich habe einen Traum: Wer nie ein Buch in die Hand nimmt, verpasst so viel! (2020)

Von Mirai Mens

Mirai Mens, 13, lebt in Berlin und besucht dort das Gymnasium. Seit 2018 betreibt sie das Blog „Lass mal lesen!“, für das sie Ende vergangenen Jahres mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet wurde. Mit der Instagram-Community „Young Bookstagram“ engagiert sie sich gegen Gender-Marketing.

5 Als ich fünf war, habe ich mir selbst das Lesen beigebracht, vorher hatten mir meine Eltern vorgelesen. Seit ich sieben war, habe ich extrem viel gelesen. Ich habe sogar jedes Jahr die Leipziger Buchmesse besucht. Vor zwei Jahren traf ich dort einige Blogger und Bloggerinnen und fing sofort an, von einem eigenen Blog zu träumen. Schon vorher hatte ich Buchrezensionen geschrieben und auch eine Autorin interviewt, für einen Verlag und eine Berliner Buch-

10 handlungskette. Diese Texte habe ich dann ab März 2018 auf meinem Blog Lass mal lesen! veröffentlicht. Ich möchte damit andere Kinder und Jugendliche für das Lesen begeistern. Wer nie ein Buch in die Hand nimmt, verpasst so viel! Wenn ich ein Buch lese, kann ich Abenteuer erleben, fremde Orte, Menschen und Welten kennenlernen und durch die Charaktere in den Büchern die unterschiedlichsten Gefühle durchleben – ich lache und weine mit den Figuren.

15 In der jetzigen Situation, in der wir ja nicht real reisen und auch unsere Freunde und Freundinnen nicht treffen können, sind Bücher eine besonders große Bereicherung. Vielleicht entdeckt auch einige Erwachsene die Welt der Bücher neu. Manche haben ja jetzt mehr Gelegenheit, ihren Kindern etwas vorzulesen.

Seit ich im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet wurde, stehe ich 20 noch mehr in der Öffentlichkeit als vorher. Das möchte ich dazu nutzen, Aufmerksamkeit für Themen zu schaffen, die mich beschäftigen. Zusammen mit einigen anderen Jugendlichen habe ich bei Instagram eine Community namens „Young Bookstagram“ gegründet. In einem offenen Brief an eine Buchhandlungskette haben wir gefordert, dass deren Filialen die Bücher für Kinder und Jugendliche nach Themen sortieren sollen und nicht danach, ob sie „für Jungen“

25 oder „für Mädchen“ sind. Denn Gender-Marketing ist eine Verkaufsstrategie, die uns sehr einschränkt. Es gibt auch Mädchen, die Abenteuer oder Fußball mögen, und Jungs, die sich für Pferde oder Liebesgeschichten interessieren. Aber da viele Verlage auch die Buchcover für Jungs und Mädchen sehr unterschiedlich gestalten, haben zum Beispiel manche Jungs Angst, gehänselt zu werden, wenn sie solche Bücher lesen. Die Kette hat zugesagt, künftig auf solche

30 Gendertische zu verzichten. Als Nächstes möchte ich daher die größeren Verlage anschreiben und auf dieses Thema aufmerksam machen. Früher wäre ja auch niemand auf die Idee gekommen, zu sagen, Pippi Langstrumpf ist ein Mädchenbuch und Karlsson vom Dach nur für Jungs.

Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr Veränderungen in der Welt der Bücher 35 anstoßen können. Und nicht nur dort! In meiner Generation verändert sich jetzt schon einiges, viele engagieren sich politisch. Deshalb wird sich auch die Gesellschaft auf verschiedene Arten zum Guten verändern, davon bin ich überzeugt! Und dann wird sich hoffentlich auch mein großer Traum erfüllen: dass alle Menschen in einer Welt leben können, in der sie so akzeptiert werden, wie sie sind – unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe und ihrer sexuellen 40 Orientierung.

Ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht mehr vorstellen. Zum Glück habe ich noch sehr viele ungelesene Bücher auf meinem Stapel.

525 Wörter

Mens, M. (2020). Ich habe einen Traum: Wer nie ein Buch in die Hand nimmt, verpasst so viel! ZEITmagazin Nr. 19/2020. 05. Mai 2020

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